Zu meinem ÄRGER : Duisburgs OB und die „Abwahl“

Kolumne: Die Medienwoche im Blick von Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD aktuell

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Foto: NDRFoto: NDR/Holde Schneider

Herr Gniffke, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien denn am meisten geärgert?

Die Schlagzeile „Duisburgs OB stellt sich Abwahlverfahren“ fand ich eine arge Zumutung. Ganz viele Medien haben Anfang dieser Woche mit diesem Satz getitelt – und damit die Zuschauer und Leser für dumm verkauft. Denn diese Aussage ist völlig sinnlos, weil es piepegal ist, ob sich der OB diesem Verfahren stellt oder nicht. Er kann sich dem Verfahren überhaupt nicht entziehen, geschweige denn bedarf es seiner Zustimmung. Insofern sind viele Journalisten hier einer beabsichtigten Sprachregelung auf den Leim gegangen, anstatt einfach zu sagen, dass Sauerland auch weiterhin einen Rücktritt ablehnt. Das unreflektierte Weitergeben von Pressemitteilungen bringt mich jedes Mal auf die Palme.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Ich freue mich, dass es in diesem Sommer noch wenig klassische Sommerloch-Themen in den Medien gab. Politiker aus der zweiten Reihe, die mit drittklassigen Vorschlägen die Saure-Gurken-Zeit nutzen, haben es dieses Jahr nicht leicht. Wirklich absurde Säue wurden bislang noch nicht durchs Dorf getrieben. Aber die Ferienzeit ist ja längst nicht zu Ende. Also noch massenhaft Zeit, um Forderungen nach Handyverbot in Badeanstalten, Tempolimit im Kreisverkehr oder einen verminderten Mehrwertsteuersatz für Fußbälle zu thematisieren.

Ihre Lieblings-Website?

Ich bin kürzlich mal wieder auf http://www.theonion.com/ gewesen, der amerikanischen Satire-Seite. Die ist zwar schon ein Klassiker, hat aber immer wieder köstliche Videos mit Persiflagen auf das harte Newsgeschäft. Gerade für Nachrichtenredakteure ein wunderbares Gegengift gegen den Hang, sich selbst zu wichtig zu nehmen.

Kai Gniffke,

erster Chefredakteur „ARD-aktuell“

in Hamburg.

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