Zu meinem ÄRGER : Eile mit Weile

Carolin Neumann, Redaktionsleiterin von Vocer.org, nerven "Breaking News" und der inflationäre Gebrauch des Labels +++Eil+++.

Foto: Promo
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Frau Neumann, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Gleich zwei Dinge hatten mit Eile und vermeintlich herausragender Wichtigkeit zu tun: dass der Journalist Marcus Schwarze von der „Rheinzeitung“ eine Satire der „FAS“ für bare Münze nahm und gleich als „Breaking News“ via Twitter verbreitete. Immerhin thematisierte er anschließend seinen Fehler. So viel Selbstreflexion erlebt man heutzutage nicht häufig inmitten all der eilig ins Netz geschickten Topmeldungen. Mitte der Woche entschied der Oberste Gerichtshof Großbritanniens die Auslieferung von Julian Assange nach Schweden, und innerhalb von Minuten war wieder das bekannte +++Eil+++ zu lesen. Ich bezweifle nicht, dass der Gründer einer der disruptivsten Internet-Plattformen eine Meldung von großem Interesse für viele Leser ist – das haben wir Medienmacher schließlich so mit herbeigeschrieben. Aber ist dies oder der auch gerne „geeilte“ Tod alternder Popstars tatsächlich von gleichem Rang wie schwerwiegende politische Umwälzungen, Naturkatastrophen? Ich plädiere dafür, öfter mal eine Minute länger zu warten und zu reflektieren, bevor das nächste +++Eil+++ rausgeschickt wird.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Der gelungene, neue Autorenvertrag bei Spiegel Online, der den Journalisten-Gewerkschaften DJV und dju sowie dem Freien-Verband Freischreiber zu verdanken ist.

Welche Webseite können Sie empfehlen?

Für Freunde hübscher, bunter, popartiger Datenvisualisierungen, die gelegentlich auch noch was lernen wollen, kann ich Visually (http://visual.ly) empfehlen. Die Seite lädt außerdem zum Selbermachen von Infografiken ein.

Carolin Neumann leitet die Redaktion von Vocer.org, einem Internetportal für unabhängigen Medienjournalismus und Debatten. Sie twittert unter @CarolinN.

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