Zu meinem ÄRGER : Eine Straftat, kein Kavaliersdelikt

Claus Christian Malzahn, Politikchef von Spiegel Online, kann die Empörung über die Festnahme von Roman Polanski nicht nachvollziehen.

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Foto: Maurice Weiss/Ostkreuz/SpiegelOSTKREUZ

Herr Malzahn, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Befremdlich fand ich die Empörung über die Festnahme des Regisseurs Roman Polanski durch Schweizer Behörden. Polanski hat sich vor 30 Jahren einem Justizverfahren wegen der Vergewaltigung eines13-jährigen Mädchens entzogen. Das Opfer hat ihm verziehen – aber juristisch ist die Sache nicht ausgestanden. Seit wann ist so eine Straftat, kombiniert mit Drogenmissbrauch, ein Kavaliersdelikt?

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Eine Randspalte im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über die Premiere des neuen Albums von Barbra Streisand in einem winzigen Lokal in New York, ihr erster Club-Auftritt seit 1961 – auch ein Weltereignis. Nicht erfreut, aber mit Anerkennung registriert habe ich, das die „Neue Zürcher Zeitung“ in alter außenpolitischer Verlässlichkeit schon am Mittwoch eine Seite Drei zu den Massakern in Guinea hatte – während die furchtbaren Gräuel in Deutschland noch als Kurzmeldung liefen

Welche Website oder welches Youtube-Video können Sie empfehlen?

Zunächst mal die neue Website von Ulrich Speck, der uns aus Brüssel auf www.globeurope.com jeden Tag einen vorzüglichen Überblick über die wichtigsten außenpolitischen Debatten in Europa liefert. Und ein Video der „New York Times“ über ihren leider gerade verstorbenen Kolumnisten William Safire: ww.nytimes.com/packages/html/opinion/20030724_SAFIRE/. Safire, ein amerikanischer Konservativer, hat die liberale Leserschaft der „NYT“ mehrere Jahrzehnte lang in Wallung versetzt. Nun trauern alle. Auf seinem Sofa zu Hause lag ein Kissen mit seinem Wahlspruch: „Writing well is the best Revenge.“ Halleluja!

Claus Christian Malzahn, Politikchef und Leiter des Hauptstadtbüros von Spiegel Online.

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