Zu meinem ÄRGER : Entwirklichung der Wirklichkeit

Knut Elstermann resümiert die Medienwoche

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Foto: RBBFoto: RBB/Jenny Sieboldt

Herr Elstermann, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Mir ist die Bildernot der Fernsehsender schon verständlich, dennoch: Die Aufnahmen vom Grauen in Japan in Endlosschleifen haben dieselbe Wirkung wie damals beim 11. September. Die verzweifelte Frau, die keine Spur ihrer uralten Mutter findet, der Sake-Unternehmer, der seine verschwundenen Mitarbeiter sucht, die düstere, alles mit sich reißende Wassermasse – die ständige Wiederholung entwirklicht das Geschehen, der Schnitt und die Musik schaffen eine Spielfilmästhetik, die Clips erzeugen irgendwann keine Empathie mehr, sondern den fatalen Eindruck einer gekonnten Inszenierung.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Der italienische Sender Rai 3 wird in mehreren Nächten alle Teile der größten Langzeitbeobachtung der Filmgeschichte „Die Kinder von Golzow“ zeigen. Nun können auch die Italiener diese wunderbaren Werke von Barbara und Winfried Junge sehen, die so klug und einfühlsam über den Alltag der Ostdeutschen erzählen.

Welche Website können Sie empfehlen?

Die Seite meines Vertrauens ist „GermanRhymes.de“, ausführliche Interviews, gut sortierte Informationen, hoch professionell und mit viel Leidenschaft von Leuten gemacht, die schwarze Musik so sehr lieben wie ich.

Knut Elstermann präsentiert auf Radio Eins jeden Samstag das Filmmagazin

„12 Uhr mittags“ und ist einer der Moderatoren des BuchmesseSpecials „Seite 1“ heute ab 18 Uhr.

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