ZU MEINEM ÄRGER : Griechen-Bashing, schöne Ministerin

Frauke Langguth, Leiterin von ARD Text, ärgert sich, wie die Boulevardmedien Griechenland und die Griechen "verhauen", und freut sich über gelungene Zeitungs-Magazine.

Foto: RBB Foto: rbb/Anna-Katharina Schulz
Foto: RBBFoto: rbb/Anna-Katharina Schulz

Frau Langguth, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Bei so schönem Frühlingswetter kann man sich eigentlich gar nicht ärgern… aber nicht gefallen hat mir das Griechen-Bashing der Boulevardpresse. Es geht ja nicht nur um Privilegien Einzelner, sondern um die Stabilität der gesamten Eurozone. Am Wochenanfang dominierte eine türkischstämmige Deutsche die Schlagzeilen: Aygül Özkan, neue Ministerin in Niedersachsen, bekommt natürlich gleich Etiketten wie „tapfere Schneiderstocher“ und „schöne Ministerin“ verpasst. Der Wirbel, den sie mit ihrer – durch Gerichte abgesicherten Position – zum Thema „Kruzifixe in Klassenräumen“ ausgelöst hat, zeigt aber auch, dass hier offensichtlich Diskussionsbedarf besteht.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Jede Woche freue ich mich über die Magazine von „Zeit“ und „SZ“. Einfach, weil es sie noch gibt. Interessante Geschichten, anregende Themen, gute Interviews, innovative Layout-Ideen, tolle Fotos – und man braucht weder WLAN noch Strom zum Lesen. Auf Arte startete Dominik Grafs Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ – großes Fernsehkino!

Welche Webseite können Sie empfehlen?

Ich bin seit langem Fan der Fotoplattform Flickr.com. Menschen aus aller Welt veröffentlichen dort Fotos, die zeigen, wie Menschen aus aller Welt leben, lieben, sich einrichten, träumen, verreisen - eine endlose Echtzeitdoku, natürlich mit viel Posing, aber auch viel Wahrheit. Zum Lesen empfehle ich den „Watch-Salon“ des Journalistinnenbundes: Medienbeobachtung aus weiblicher Sicht (http://watch-salon.blogspot.com/).

Frauke Langguth ist Leiterin von ARD Text. Der Videotext für das Erste wird beim RBB in Potsdam produziert.

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