Zu meinem ÄRGER : Hiebe haben alle verdient

Alexander Visser resümiert die Medienwoche.

Foto: Valeria Mitelmann
Foto: Valeria Mitelmann

Herr Visser, was hat Sie in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Unser Wahlrecht ist nicht verfassungskonform – zu Recht wurde die Bundesregierung in den Medien dafür geprügelt, hier geschlampt zu haben. Aber viele Kommentatoren verteilen die Schläge zu einseitig, auch die Karlsruher Richter haben ein paar Hiebe verdient. Denn wie ein gerechtes und transparentes Wahlgesetz aussehen soll, kann man ihrem Urteil auch nicht entnehmen. Warum zum Beispiel wären 15 Überhangmandate noch verfassungskonform, 20 dagegen nicht mehr? Die Richter sollen nicht die Gesetze machen, aber nachvollziehbare Richtlinien wären hilfreich. Es darf kein Gesetzes-Pingpong zwischen Berlin und Karlsruhe geben.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Die Porträts über London haben bei mir olympische Vorfreude entfacht. Gut fand ich allerdings auch die Recherche des „Spiegel“ über das Olympia-Attentat von München 1972 und das Versagen der Sicherheitsbehörden. Das Vertuschen grober Ermittlungsfehler ist ja leider heute noch an der Tagesordnung.

Welche Webseite können Sie denn empfehlen?

Salon.com hat immer wieder schöne Ideen und stößt Diskussionen an, die nicht nur für Amerikaner interessant sind. Aktuell gibt es zum Beispiel einen Rückblick auf die hässlichsten olympischen Medaillen aller Zeiten, London 2012 hat es schon in die Top 10 gebracht. Und die auch in Berlin beliebte These, die „kreative Klasse“ lasse die Städte erblühen, wird angezweifelt: „Hipster werden uns nicht retten!“, heißt es bei Salon. Diese Diskussion würde auch Berlin gut tun. Kreative gibt es hier genug, aber noch immer zu wenige richtige Jobs.

Alexander Visser

ist Herausgeber des zweisprachigen City Guide Berlin&I und von www.berlin-and-i.de. Die nächste Ausgabe des Magazins erscheint am 1. September.

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