Zu meinem Ärger : Keine Zensur – das ist die Revolution

Christian Böhme ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“. Im Tagesspiegel erzählt er, was ihn geärgert hat und welche Website er empfiehlt.

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Foto: Promo

Herr Böhme, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?



Dass viele Kollegen den klassischen Journalismus und damit die schöne alte Medienwelt wortreich zu Grabe getragen haben. Das pausenlose Getwittere, Geblogge und Geflickere im Iran habe die Überlegenheit des Internets bei der Nachrichtenbeschaffung in revolutionärer Manier allen vor Augen geführt. Mit Verlaub: Eine 140 Zeichen lange SMS oder ein unscharfes Handyfoto können – bei aller Sympathie, die den Aufständischen in Teheran gebührt – nur Teil professioneller journalistischer Praxis sein, keinesfalls aber deren gleichwertiger Ersatz.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich gefreut haben?

Dass es Facebook, YouTube, Twitter und Flickr gibt. Ohne diese Internet-Plattformen wüssten wir nicht, wie mörderisch das Mullahregime gegen die „Freiheit“ rufenden iranischen Demonstranten vorgeht. Ein Hoch auf das Web und seine Möglichkeiten! Denn das ist die wahre Medienrevolution dieser Tage: Zensur und Nachrichtensperre – das war einmal.

Welche Webseite können Sie uns empfehlen?

In diesen so unübersichtlichen Zeiten helfen vor allem drei Dinge bei der Orientierung: Fakten, Fakten, Fakten. Und wer könnte die besser zusammentragen als ein Geheimdienst? Übersichtlich aufbereitete Berichte über die vielen Staaten dieser Erde findet man im „World Factbook” der CIA (https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook). Man muss nur einfach einen Ländernamen auswählen, und schon weiß man zum Beispiel, wo Palau liegt und was die uigurischen Guatanamo-Gefangenen dort erwartet.

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