Zu meinem ÄRGER : Macht macht geil

Kritische Medien als "Feinde des Volkes" und Filter gegen Fußball-Kommentare. SWR-Journalist Christoph Ulmer über die zurückliegende Medienwoche.

Foto: Promo
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Herr Ulmer, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Dass kritische Journalisten in Bolivien offenbar unter Druck gesetzt werden, die Klappe zu halten und den neuen Eliten nicht so sehr auf die Finger zu schauen. In seiner ersten Amtszeit stand Präsident Evo Morales noch für Debatte und Diskurs, jetzt, so ist es in der „taz“ zu lesen, bescheinigt ein Ex-Minister der Regierung, sie sei „besoffen von der Macht“. Morales lässt sich gerne darstellen als Wohltäter der Armen, als Beschützer der indigenen Identität, als Mann der Gerechtigkeit. Gleichzeitig versucht er offenbar, unliebsame Stimmen im Land ruhig zu halten. Mir wird angst und bange, wenn ich Interviews wie das des österreichischen „Standard“ lese. Dort berichtet der Chefredakteur einer Tageszeitung von angedrohten Besetzungen durch Organisationen, die der Regierung nahestehen: kritische Medien als „Feind des Volkes“. Macht macht eben geil, Kritik nicht.

Gab es auch was in den Medien, über das Sie sich freuen konnten?
Grinsen musste ich über die Erfindung eines Fußballfans aus der Schweiz. Der sucht, so berichtet es meedia.de, via Crowdfunding Unterstützer, um ein Gerät zu produzieren, das den Kommentator bei Fußballspielen herausfiltert und nur den Stadion-Sound ins Wohnzimmer bringt. Der Tüftler schreibt, es sei ihm darum gegangen, dass seine Freunde und Hobby-Kommentatoren bei Spielen nicht immer gegen den Fernsehkommentator anbrüllen müssen. Das ist doch eine schöne Begründung.

Welche Website können Sie empfehlen?
Nicht nur aus alter Verbundenheit, sondern aus Überzeugung www.jonet.org Seit vielen Jahren diskutieren da Medienmenschen miteinander. Mal klug, mal dumm, mal leise, mal polemisch, oft jedenfalls lesenswert.

Christoph Ulmer arbeitet als TV-Journalist beim Südwestrundfunk, unter anderem für die Nachrichtensendung „Landesschau Aktuell“.

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