Zu meinem ÄRGER : Pflichtlektüre für Wutbürger

Michael Hirz, Programmgeschäftsführer von Phoenix, über falsche Behauptungen, bedrohte Journalisten und das Gegengift gegen Vorurteile. Sein Rückblick auf die Medienwoche.

Michael Hirz ist Programmgeschäftsführer des Ereignis- und Dokumentationskanals Phoenix.
Michael Hirz ist Programmgeschäftsführer des Ereignis- und Dokumentationskanals Phoenix.Foto: Phoenix/Thomas Kierok

Herr Hirz, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien geärgert?

Im Fall der angeblichen Vergewaltigung eines 13-jährigen russischstämmigen Mädchens wurde zuerst mit falschen Behauptungen Stimmung gemacht. Dann wurden Journalisten bedroht, die ihren Job ernst nehmen und sich um eine seriöse Berichterstattung bemühen. Letzteres ist ein Phänomen, das leider zunimmt. Die gute Nachricht: Auch die Gegenöffentlichkeit funktioniert endlich, eines der besten Mittel, um den Behauptungen einer angeblichen „Lügenpresse“ das Wasser abzugraben.

Gab es auch etwas, über das Sie sich freuen konnten?

Gerade erleben wir ziemlich ungemütliche Zeiten. Terrorgefahr, Flüchtlingskrise, die Kölner Silvesternacht als Brandbeschleuniger einer aufgeregten Zuwanderungsdebatte, Staatsversagen – Komfortzone war gestern. In dieser labilen Stimmungslage tut das Gespräch des „Spiegel“ mit dem Schriftsteller Navid Kermani nicht nur gut – es ist in der schrillen öffentlichen Diskussion, die zwischen Angst und Aggression changiert, geradezu ein Lichtblick, ein Gegengift gegen vorschnelle Vorurteile. Kermani belehrt nicht, er analysiert, er stellt Fragen. Was passiert mit unserer Gesellschaft, mit Europa, mit der westlichen Welt? Sieben Seiten kluge Nachdenklichkeit, brillant formuliert, dabei kein bisschen eitel. Eine Pflichtlektüre für Wutbürger, Gutmenschen und ratlose Politiker.

Welche Website können Sie empfehlen?

Bei rechtsradikalen Demos ist es fast schon Usus, Pressevertreter tätlich anzugreifen und sogar zu verletzen. Der Blog Augenzeugen.info des DJV dokumentiert konkrete Fälle, wirbt für einen fairen Umgang und will die Politik für die wachsende Problematik sensibilisieren.

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