Zu meinem ÄRGER : Privatleben öffentlich fleddern?

Heiner Heller bilanziert die Medienwoche.

Foto: Steffen Jänicke/RBB
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Herr Heller, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über die Berichterstattung aus Lörrach. Eine Frau hat fürchterliche Morde verübt. „Beziehungstat“ urteilen Polizei und Staatsanwaltschaft. Das Publikum versteht, dass „Beziehungstäter“ verrückt geworden sein mögen an den eigenen Lebensumständen. Alles Weitere geht uns nichts an. Politiker verlangen schärfere Gesetze, das mag ihre Ohnmacht lindern. Aber was treibt den Arzt, die Krankengeschichte der Täterin der Presse zu erzählen? Völlig unnötig, das ausgelöschte Privatleben öffentlich zu fleddern. Die Frau, die geschossen hat, ist tot. Damit endet Strafverfolgung. Höchste Zeit, nach dieser Woche mit dem Wegsehen zu beginnen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Immer erfreulich, wie das Radio Bilder im Kopf anregt, manchmal sogar durch Werbung. Robert de Niro versprach diese Woche „mehr Ideen pro PS“ in einer Sportwagenreklame. Genauer gesagt, sein „deutsches Organ“ Christian Brückner. Fast auf den Tag genau vor 55 Jahren raste James Dean mit diesem Fabrikat also besonders innovativ motorisiert in den Tod. Dessen Synchronstimme Dietmar Schönherr hat zum Glück überlebt - Giganten alle vier!

Welche Website können Sie denn empfehlen?

„augengeradeaus.net!“ ist ein Befehl, dem auch Journalisten öfter folgen sollten. Autor Thomas Wiegold berichtet seit Jahren über Militär und Sicherheitspolitik und tut es auf dieser Seite in allen Einzelheiten. Als Verteidigungsminister hat sich Peter Struck bewusst verhört, als er den Autor mal öffentlich traf: „Wie? Oberst Wiegold? – Respekt!“

Heiner Heller leitet die RBB-Hauptabteilung Neue Zeiten, zu der Radio Eins, Fritz, aktuelle Kultur, Film und Fernsehunterhaltung gehören.

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