Zu meinem ÄRGER : Profilierung in aufgeheizter Stimmung

Warum gibt "Bild" dem Buch "Deutschland in Gefahr" von Rainer Wendt so prominenten Platz? fragt WDR-Moderator Henrik Hübschen in seinem Rückblick auf die Medienwoche. Doch er findet auch Gründe sich zu freuen.

Henrik Hübschen ist WDR-Moderator und Hauptstadt-Korrespondent.
Henrik Hübschen ist WDR-Moderator und Hauptstadt-Korrespondent.Foto: ARD-Hauptstadtstudio/Jens Müller

Herr Hübschen, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über den prominenten Platz, den „Bild“ diese Woche Rainer Wendts Buch „Deutschland in Gefahr“ eingeräumt hat. Montag auf dem Titel und mehrfach im Blatt in Auszügen ohne journalistische Einordnung. Ich finde es unverantwortlich, dass der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft sich in der aufgeheizten gesellschaftlichen Stimmung als „Sarrazin 2016“ profiliert. Natürlich muss man benennen, was bei Flüchtlingspolitik, Terrorabwehr oder Kriminalitätsbekämpfung falsch läuft. Aber wenn Wendt den Maghreb zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt, weil es deutsche Urlaubsländer sind, kann ich mir die Lektüre sparen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Über die differenzierte Berichterstattung zum Burka-Verbot. Viele Medien haben erklärt, was der Unterschied zwischen Burka, Niqab und Hijab ist. Das trägt zum interkulturellen Verständnis bei. Da habe ich mich schon fast nicht mehr über das durchschaubare Wahlkampfthema geärgert.

Welches Internet-Video empfehlen Sie?

Die Eröffnungssequenzen aus der US TV-Show „Last Week Tonight“. Wie der Brite John Oliver Themen von Trump über Brexit bis hin zum Zeitungssterben humorvoll seziert ist bewundernswert. Schade, dass es auf diesem Niveau kein deutsches Äquivalent gibt.

Henrik Hübschen ist WDR-Moderator und Hauptstadt-Korrespondent.

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