Zu meinem ÄRGER : Schlechtgelaunter Kulturpessimimus

Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung "Der Freitag", über Ärgernisse, die FAZ und den Bildblog.

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Foto: Promo

Herr Augstein, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Der Aufmacher des „Zeit“-Feuilletons war unter dem Niveau, das die Zeitung im Internet- und Moderne-Medien-Diskurs inzwischen haben sollte. Adam Soboczynski, sonst ein wirklich großartiger Autor, hat sich da selbst in eine eigenartig konservative, erneuerungs- und experimentierfeindliche Ecke gestellt, in der er keine gute Figur macht: „Das Netz als Feind“ heißt das Stück, in dem noch mal alle Vorurteile gegen das Internet zusammengerührt werden und am Ende ein melancholisch-schlechtgelaunter Kulturpessimismus übrig bleibt. Ich bin gespannt, was die „Zeit“ selbst in den nächsten zwei Jahren im Netz machen wird – und wie die Kollegen dann über dieses wunderbare neue Medium und seine unbegrenzten Möglichkeiten schreiben werden.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ brachte am Mittwoch den besten denkbaren Artikel zum Thema Krise, Kapitalismus und Marktwirtschaft. Autor Gunnar Heinsohn, Sozialwissenschaftler von der Universität Bremen, hat grundlegende Themen wie Geld, Kredit und Eigentum in einem ganz unerwarteten Licht erscheinen lassen.

Welche Website können Sie empfehlen?

Ganz unoriginell immer wieder: Niggemaiers Bildblog. Gerade war dort wieder zu sehen, wie Community-Journalismus funktionieren kann. Die „Bild“-Zeitung war über einen Bericht des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mit seinen steigenden Armutszahlen hergefallen und wollte da nichts als statistische Taschenspielertricks erkennen. Beim Bildblog konnte man dann lesen, dass der „Bild“-Kommentator leider keine Ahnung hatte, wovon er schrieb und von den Grundbegriffen der Statistik selbst keine Ahnung hatte. Als Medienkritik und gelungenes Beispiel für Bürgerjournalismus großartig!

Jakob Augstein ist Verleger der Wochenzeitung „Der Freitag“.

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