Zu meinem ÄRGER : Sex sells

Attraktive Bundestagsabgeordnete, Sex-Wellen in Berlin und aufgemischte Nazidemos: Radio-Eins-Moderator Thomas Wosch ordnet die Medienwoche ein.

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Foto: RBBFoto: rbb/Tommy Wosch

Herr Wosch, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

In der „Bild“-Zeitung wurde die Miss Bundestag gewählt, sprich die Frage geklärt, wer die attraktivste Abgeordnete ist. Eigentlich eine charmante, emanzipierte kleine Idee. Auch Politikerinnen haben ein Recht darauf, in den Medien auf ihr Aussehen reduziert zu werden. Aber wenn wir schon bei den Primärtugenden einer Bundestagsabgeordneten sind, liebe „Bild“-Zeitung, warum klärt Ihr dann nicht auch noch, welche Politikerin am besten kocht und welche Abgeordnete die schärfste Sau im Bett ist. Das wäre en passant auch ein mutiger Schritt gegen die Politikverdrossenheit notgeiler Chauvies im Alterssegment 40 plus.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich gefreut haben?

Der Titel im aktuellen „Tip“: „Die heimliche Sex-Welle: Wie Berliner die Diskretion des Internets ausnutzen“. Toll, endlich widmet sich auch der „Tip“ dem Thema Sex. Das ist genau das, was ich von meinem sympathischen, informativen Stadtmagazin erwarte. Und dieser Titel hat wirklich Klasse, und zwar Wort für Wort: „Heimlich“ bedeutet, ohne den „Tip“ wüssten wir gar nicht, dass der eine oder andere im Internet rumferkelt. „Welle“ heißt, dass es sich bei Sex im Internet um eine aktuelle Bewegung von immenser Relevanz handelt. Das Wort „Berliner“ suggeriert, dass es so was nur in Berlin gibt. Da fragt man sich: Wer ist hier eigentlich blöde? Ein Magazin mit so einem Trottelthema, oder die Leser, die nur noch Magazine mit Trottelthemen kaufen.

Welches Internet-Video empfehlen Sie?

Da muss ich mal Eigenwerbung machen. Ich finde es nach wie vor ganz lustig, wie wir vor ein paar Jahren die eine oder andere Nazidemo aufgemischt haben: youtube.com/watch?v=IE7G8ue3jWY

Thomas Wosch gehört zum Moderatorenteam der Nachmittagssendung bei Radio Eins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg.

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