Zu meinem ÄRGER : Theater-AG, Literaturgenie

Comedian Jan Böhmermann über seine Medien-Woche

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Foto: WDR

Herr Böhmermann, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

In „Bild“ und anderen Qualitätsmedien: Zu viel Inhalt, zu wenig nackte Weiber – wie jede Woche! Dennoch: Durchhalten, nur noch 45 Tage bis zum iPad!

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Dank des unerwarteten und sicher ganz und gar versehentlichen Hypes um „Axolotl Roadkill“ (Phonetik-Fans aufgepasst: Bitte zehnmal schnell hintereinander abwechselnd „Axolotl Roadkill“ und Charlotte Roche sagen!) habe ich meine kurzzeitig eingeschlafene Leidenschaft für pausbäckige Berliner Jungautorinnen mit Problemhaaren neu entdeckt. Als ich siebzehn war, hängten sich Mädchen der Kategorie Hegemann noch Pferdeposter ins Jugendzimmer, hörten Céline Dion und schwärmten für Tobi Schlegl. Heute avancieren hochambitionierte Theater-AG-Aussteigerinnen aus dominanten Elternhäusern noch vorm ersten Zungenkuss innerhalb von sechs Tagen mit wilden Untenrumgeschichten aus dem Berghain zum größten deutschen Literaturgenie seit Erfindung von Copy und Paste, während das Feuilleton dazu vor Begeisterung auf dem eigenen Ejakulat ausrutscht. Ein erfreulicher zivilisatorischer und kultureller Fortschritt.

Was ist Ihre Lieblings-Website?

Ich schmunzle auf www.thesmokinggun.com/backstagetour über die Originalbühnenanweisungen der Rock- und Pop-Megastars unseres Planeten. Interessant, was die sich bei Konzerten alles an Merkwürdigkeiten in den Backstagebereich bestellen! Allen Liebhabern englischer und amerikanischer Serien empfehle ich außerdem die Seite www.britcoms.de.

Jan Böhmermann,

Satiriker, Comedian, Hörfunk-Moderator beim WDR-Hörfunk (1Live), auch im

festen Team der ARD-TV-Show

„Harald Schmidt“

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