Medien : Zu meinem Ärger: Tita von Hardenberg

Frau von Hardenberg[worüber haben Sie sich i]

Frau von Hardenberg, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Es ist verständlich, dass Kommentatoren und Zuschauer angesichts der unfassbaren Zerstörung ein Feindbild haben wollen. Aber der Schrei nach Vergeltung artete zum Teil in blanke Kriegstreiberei aus. So der Korrepondent eines großen Privatsenders, der die USA aufforderte, "schnell und blutig" zurückzuschlagen. Auch die unermüdlich gezeigten jubelnden Palästinenser dienten vor allem am ersten Tag der Berichterstattung als perfekte Projektionsfläche für Rachegedanken. Da wurden ein paar Hundert fehlgeleitete Menschen zu Stellvertretern eines ganzen Volkes gemacht. Lange vor Klärung der Schuldfrage standen die Palästinenser wieder am Pranger, weil es sich Journalisten einfach gemacht haben und sich lieber auf den Augenschein als auf Fakten verließen.

Gibt es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Viel Erfreuliches gab es ja wahrhaftig nicht zu sehen - in dieser Woche des Grauens. Umso bewegender waren die wenigen Glücksmomente in der Katastrophe. Als das Radio meldete, dass Rettungskräfte doch noch, entgegen aller Erwartungen, fünf Feuerwehrleute lebend aus den Trümmern geborgen hatten, empfand ich das einzige Mal in dieser Woche so etwas wie Freude.

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