Zu meinem ÄRGER : Zu frühes Gauck-Bashing

Auch der Bundespräsident muss die Chance haben, sich in seine neue Rolle einzufinden - die Medien-Woche im Blick von Klaus Rost, Chefredakteur der "Märkischen Allgemeinen".

Foto: MAZ/Bernd Gartenschläger
Foto: MAZ/Bernd Gartenschläger

Herr Rost, worüber haben Sie sich denn in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Geärgert habe ich mich über den „Spiegel“, der einen Satz des Bundespräsidenten zum Bundesverfassungsgericht gleich auf einer ganzen Seite aufspießte. Joachim Gauck hatte im Zusammenhang mit Plänen der Bundesregierung, den EU-Rettungsschirm auszuweiten, gesagt, er sehe noch nicht, dass diese Bereitschaft der Regierung „konterkariert werden wird vom Bundesverfassungsgericht“. Daraus unter anderem sofort zu folgern, er nehme es mit der Prüfung von Gesetzen nicht so genau, ist ebenso wenig in Ordnung wie die Wendung „Es war ein echter Gauck“. Der „Spiegel“ schlägt damit einen Ton an, der so früh, zu Beginn der Amtszeit, zu schrill ist. Auch Gauck muss die Chance haben, sich in seine neue Rolle einzufinden. Es bleibt später noch Zeit genug, Ungeschicklichkeiten zum Anlass zu nehmen, um mit der Demontage zu beginnen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Gefreut habe ich mich über einen Artikel von Eckhard Fuhr in der „Welt“ über Stephan Prinz zur Lippe und die Nationalparkplanungen in Nordrhein-Westfalen. An diesem vermeintlichen Randthema wird deutlich, wie unverdrossen am Umbau der Gesellschaft gewerkelt wird, hier zum Beispiel am Jagdrecht, ohne dass es die breite Öffentlichkeit mitbekommt. Berichte wie dieser sind der Idealfall: die Zeitung als Wundertüte, die das, was unter der Decke gehalten wird, aufdeckt.

Was ist Ihre Lieblings-Website?

Empfehlen kann ich den Blog des Autors Wolfgang Herrndorf „Arbeit und Struktur“: www.wolfgang-herrndorf.de – das klassische Tagebuch, nur eben elektronisch.

Klaus Rost,

Chefredakteur der „Märkischen Allgemeinen“ in Potsdam

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