Zu Papier gebracht : Der Flatrate-Fluch

Urlaub macht man heute ja nur noch nach dem Flatrate-Prinzip. Nicht nur online, auch offline. Das ist allerdings nicht immer erholsam.

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Tagesspiegel-Autorin Astrid Herbold hat Flatrate-Urlaub gemacht
Tagesspiegel-Autorin Astrid Herbold hat Flaterate-Urlaub gemacht - das war nicht nur ein Segen.Foto: Thilo Rückeis

Wir waren im Urlaub. Das Hotel war schön. Vor allem hatte es ein offenes W-Lan-Netz. Wir haben uns voll gefreut: Geil, Flatrate, wie zu Hause. Dauernd haben wir nach unseren E-Mails geguckt. War eigentlich nicht nötig, aber ist man ja irgendwie gewöhnt. Zwischendurch mal kurz rein, sinnlos rumklicken, wieder raus. Und es kostet ja auch nichts. Beziehungsweise: Haben wir ja sowieso alles schon mitbezahlt.

Urlaub macht man heute ja nur noch nach dem Flatrate-Prinzip. Nicht nur online, auch offline. Beim Frühstück: Brötchenflatrate, Kaffeeflatrate, Rühreiflatrate. Wir haben das voll ausgenutzt. Jeden Tag zehn Eier gegessen. Eimerweise Kaffee getrunken. Bis uns schlecht war. Wir Flatrate-Menschen sind wie Kühe, gebt uns eine eingezäunte Weide mit viel Gras, wir stehen glücklich drauf und fressen von morgens bis abends.

Dann ging’s ab ins Gebirge. Oder zum See. Oder Tiere gucken. Oder Museen streicheln. Auch hier hatten wir eine Flatrate, die nannte sich Kärnten-Card. Einmal bezahlt, überall freier Eintritt. Muss man nicht mehr nachdenken. Nie abwägen. Keine Prioritäten setzen. Kann man den Berg per Gondelbahn hochfahren, ups, ist ja kalt und zugig hier, egal, fahren wir halt wieder runter. Und einen anderen Berg hoch. Und wieder runter.

So gingen die Tage dahin. Der Flatrate-Katalog war unsere Freizeit-Richtschnur. Jeden Morgen das gleiche Ritual: Blätter-blätter, wo gehen wir denn heute hin? Was nicht drinsteht, existiert nicht. Beziehungsweise: wird gar nicht erst in Betracht gezogen. Das ist auch gut so, denn Familienurlaub ist schon anstrengend genug. So viele Leute, so viele Meinungen.

Einmal waren wir dann aber doch spontan und trafen uns mit Freunden aus Berlin. Sie wohnten ein Dorf weiter und hatten sogar noch mehr Flatrates als wir. Morgens und abends Buffet! Rund um die Uhr Kinderbetreuung! Und Ausflüge! Und gemeinsame Picknicks! Das wurde alles täglich vom Hotel organisiert.

Wir wurden nachdenklich. Sind die Flatrates anderer Anbieter womöglich besser und günstiger? Hätten wir zum gleichen Preis noch mehr kriegen können? Verdammt! Müssen wir nächstes Mal besser recherchieren. Schon war die ganze Erholung wieder dahin.

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