Zu PAPIER gebracht : Der iPod verstaubt im Regal

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Es klang wie Spinnerei, aber natürlich hatte Super-Produzent Rick Rubin wie immer recht, als er vor über vier Jahren seine Vision von der Zukunft des Musikhörens skizzierte: „Man müsste Musik abonnieren können. Für 19,95 Dollar im Monat bekäme man eine virtuelle Musik-Bibliothek, auf die man dann von seinem Auto, Mobiltelefon, Computer oder Fernseher aus zugreifen könnte. Der iPod wäre überflüssig.“

Im Zeitalter von Smartphone und Cloud-Streaming ist es genau so gekommen, nur mit dem Preis hat sich der Gründer des legendären Def-Jam-Labels vertan. Denn schon ab 4,99 Euro im Monat können Musikfans auf über 15 Millionen Songs zugreifen. In Deutschland seit dieser Woche auch über Spotify, den weltweit bekanntesten Dienst. Außerdem gibt es Napster und Simfy, die alle ähnlich funktionieren und die Kultur der Musiknutzung tatsächlich revolutionieren könnten. Seit ich einen der Dienste abonniert habe, verstaubt mein iPod im Regal. Statt CDs zu importieren oder MP3s herunterzuladen, suche ich über die App nach der gewünschten Band, und schon habe ich ihr aktuelles Album auf dem Smartphone. Die Schnelligkeit ist der Trumpf dieser Technik. Wenn ich in einer Musikzeitschrift oder in einem Blog von einer tollen neuen Songwriterin lese, kann ich mir sofort meine eigene Meinung bilden.

Genauso direkt ist die Verbindung in die Vergangenheit: Das Gesamtwerk von Elton John oder fast alles von Aretha Franklin findet sich mit wenigen Klicks. Manchmal lasse ich mich durch die Neuerscheinungslisten auf der Startseite auch in eine Ecke locken, die ich sonst nicht aufgesucht hätte. Natürlich ist die Wiedergabequalität nicht zu vergleichen mit der von CDs oder Platten, die ich nach wie vor am liebsten höre. Doch für unterwegs oder radiomäßiges Nebenbeihören reicht sie mir völlig.

Es gibt allerdings Leerstellen in den Bibliotheken. So haben einige Bands wie Metallica oder Die Ärzte ihre Musik nicht für die Dienste freigegeben. Ihnen gefallen die Erlösmodelle nicht. Denn bei den Musikern – vor allem bei weniger bekannten und häufig gestreamten – kommen nur Mikrobeträge an. Das ist die dunkle Seite der schönen neuen Abo-Welt.

Die Autorin ist Kulturredakteurin

beim Tagesspiegel.

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