Zu PAPIER gebracht : Hinter hässlichen Fassaden

Falk Steiner
Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Es ist schon ein Kreuz mit diesem Internet: auf der einen Seite ist es so praktisch, auf der anderen Seite so lückenhaft und irreleitend. Auch im Jahr 13 nach der Jahrtausendwende ist längst nicht jeder Laden online und nicht jede Website hält, was sie verspricht.

Fast immer, wenn ich Anschaffungen plane oder größere Dienstleistungen in Anspruch nehmen will, führt mich mein Weg zuerst ins Netz. Wenn Bücher im Spiel sind, ist alles einfach und schnell erledigt. Sie wissen schon. Wenn es um rein digitale Anschaffungen – Musik, eBooks, Filme – geht, ebenfalls. Auch wenn ich Computer oder Zubehör benötige, ist die Auswahl nicht schwer. Für all das gibt es aufgeräumte Seiten, auf denen man leicht findet, was man möchte. Aber suchen Sie mal nach einem Umzugsunternehmen!

Solche gibt es in Berlin wie Sand in Brandenburg. Die bekannten Apotheken, die teils verrufenen Billigheimer und die schier unglaubliche Anzahl jener, die dazwischenliegen. Auf die Bewertungsportale kann man sich getrost überhaupt nicht verlassen. Da wird kreuz und quer gelobt und getadelt, vieles scheint nicht so recht glaubwürdig. Auch die Frage an die eigenen Twitterfollower half nur begrenzt weiter. Was tun?

Zwischen Dutzenden Angeboten fand sich eines, das schien anders, sympathisch: animierte Videoclips, bei denen Legomännchen umzogen, Dankes-Mails von Kunden, Fotos von Umzügen. Alles etwas skurril, alles handgemacht – aber interessant.

Eine hübsche Website. Auf der ich zwar auch nichts finde, die aber voller Möglichkeiten ist, was mich interessieren könnte. Ein Besuch an der angegebenen Adresse: ein Showroom. Gefühlte siebzehn Unternehmen teilen sich diesen. Der Verkäufer will verkaufen – und seine Provision kassieren. Ich hinterlasse trotz ungutem Gefühl meine Nummer. Gehört habe ich nie wieder etwas.

Die gleiche Dienstleistung. Die Firma trägt einen doofen Namen, liegt mitten in einem Kiez, den ich normalerweise meide. Die Webseite ist überhaupt nicht mein Fall: sie erzählt mir wenig über das, was ich wissen will – zum Beispiel, was sie dort können und was das kostet. Stattdessen sagt sie mir, wie derzeit das Wetter ist. Gleich um die Ecke: Eine Kunsthandwerkerin präsentiert sich in Pink. Ich mag Pink nicht, der Internetauftritt bekommt von mir das Prädikat: Augenkrebs. Trotzdem bei beiden vorbeigelaufen, überaus zufrieden gewesen.

Wer offline gut ist, kann es sich offenbar leisten, online eine hässliche Ente zu sein. Immerhin: Mit allen Firmen konnte man per E-Mail kommunizieren, schnell und unkompliziert. Das ist schon viel wert für jemanden, der im Job viel unterwegs ist. Und natürlich gibt es auch miese Unternehmen mit miesen Webseiten. Aber täuschen lassen, das sollte man sich nicht. Eine hässliche Website macht nun einmal noch lange keinen schlechten Handwerker. Der wäre sonst wohl auch Webdesigner geworden.

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