Medien : Zu viel Lust auf Fein-Fein

Barbara Sichtermann

„KTI – Menschen lügen, Beweise nicht“, Sat 1. Keine leichte Aufgabe, die amerikanische Erfolgsserie „CSI“ zu kopieren; im ersten Anlauf hat’s bei Sat 1 auch nicht geklappt. Was ist das Geheimnis des Originals, das auf Vox und auf RTL so erfolgreich läuft?

Wie so oft bei Überraschungserfolgen ist es ein Klassiker aus dem Reich der (filmischen) Erzählkunst, der durch seine Wiederauferstehung die Begeisterung auslöst. Bei „CSI“ heißt er Sherlock Holmes im Zeitalter von High-Tech! Wie aufregend war einst am Beginn der systematischen kriminalistischen Spurenauswertung die Entdeckung des Fingerabdrucks und der kleinen Indizien wie Zigarettenkippen und Schuhabdrücke. Dann überwölbte das Interesse an krimineller Energie und kriminalistischer Psychologie das Abenteuer der Spurenlese. Bis die computergestützte mikrobiologische Technik ein alt-neues Feld der Spannung (wieder) eröffnete. War es doch möglich geworden, noch nach Jahrzehnten ein Härchen mittels DNS und ein Fleckchen mittels chemischer Analyse zur Auskunft über ihre Herkunft zu bewegen; die kleinen Dinge sprechen wieder, und wir Zuschauer stehen wie einst Dr. Watson fasziniert daneben, wenn die fixen Jungs von Criminal Scene Investigation ihre Schlüsse ziehen.

Auch „KTI“ (Kriminaltechnisches Institut) lässt die verräterischen Winzigkeiten – eine Faser am Messer, mit bloßem Auge nicht sichtbare Blutreste am Waschbecken, Betäubungsmittelrückstände im Mageninhalt der Opfer – sprechen, während die Verdächtigen schweigen oder lügen. Was die Lust am technischen Fein-Fein betrifft, steht „KTI“ dem Vorbild „CSI“ in nichts nach.

Und deshalb merkt man, worin der Unterschied liegt. „CSI“ nämlich belässt es nicht bei technischen Finessen. Die spielen eine wichtige Rolle, überzeugen aber nur, weil die Atmosphäre der Schauplätze (New York, Las Vegas, Miami) und die Ausstrahlung der charismatischen Teamchefs (Gary Sinise als Mac Taylor, William Petersen als Gil Grissom und David Caruso als Horation Caine) in aller Dichte hinzukommen. Da hatte die deutsche Version nichts Vergleichbares aufzubieten. Wenn’s weitergehen soll, muss mit Orten, Menschen und Beleuchtung gezaubert werden. Bloß nicht noch mehr Mikroskope.

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