Medien : Zukunft – hautnah

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Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Manchmal ist es die charmante Übertreibung, die wir am Kulturradio so lieben. Das absichtsvoll Ineffiziente, die dreiste Verausgabung von Sendezeit. Nehmen wir nur die „Lange Nacht der Haut“, mit der uns der Deutschlandfunk an diesem Wochenende erfreut. Etliche Stunden im Nachtradio, die einzig der Außenhülle des menschlichen Körpers gewidmet sind. Die Haut als Organ und Metapher, als Lustobjekt und Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung, als religiöses Symbol und Grundlage politischer Ideologien. Unter Mitwirkung von Philosophen, Literaten und natürlich Dermatologen wird die Haut in tausendundeinem Anlauf gründlich seziert. Wie sie Zeit speichert und wie sie Parasiten eine Heimstatt gibt. Wie sie zum Fetisch werden kann und welche Zukunft sie in Zeiten eines fortgeschrittenen Body Engineering noch hat. „Leinwand der Seele“ nennen die zuständigen Redakteure ihr schönes Unternehmen. Alles, was wir nie über die Haut fragen wollten, aber uns nun doch mit weit geöffneten Ohren erzählen lassen (4. Mai, ab 23 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Damit noch kein Ende der fröhlichen Wissenschaft im Kulturradio. Ein Nanometer ist das Milliardstel eines Millimeters. In naher Zukunft wird die Nanotechnologie das sein, was uns die Gentechnik noch gestern gewesen ist. Ein Lieblingsthema der Medien, das bis in die Feuilletons hinein Anlass zu Wunschträumen und apokalyptischen Ängsten gibt. Autor Robert Brammer leistet Pionierarbeit, wenn er sich in die Labors der Nanotechnologen begibt. Wer diese miniaturisierte Welt unter Kontrolle bringt, wird sich wie ein richtiger Zauberer aufführen können. Zuckerstückgroße Computer, in denen sämtliche existierenden Bücher gespeichert sind. Medizinische U-Boote, die durch menschliche Körperzellen schippern. Und Waffen, deren Vernichtungsmacht alle bisher geträumten Alpträume blass aussehen lässt. „Zehn hoch minus neun“ heißt Brammers spannendes Feature (Deutschlandradio, 9. Mai, 15 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Nach so viel Zukunft tut es gut, einmal weit in die Vergangenheit abzudriften. Denken wir uns die Seele des Hörers als kleines U-Boot, der Kurs heißt Volle Fahrt zurück. So kommt man beim legendären Nachtstudio des Hessischen Rundfunks vorbei, wo gerade der Philosoph Adorno mit seiner wunderbar melodischen Stimme über das Wesen der Musikkritik doziert. So geschehen 1966. Das alte Band ist nun noch einmal beim Südwestradio zu hören. „Musikkritik – heute und überhaupt“ sind Adornos geistige Exerzitien überschrieben (SWR 2, 9. Mai, 22 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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