Zum 9. November : 778 Kilometer quer durch Deutschland

Die Bundesstraße 1 in einem ZDF-Roadmovie

Kurt Sagatz

Go East – diesen Auftrag hat sich das ZDF zum Jahrestag des Mauerfalls gegeben. Der Weg der „Blickpunkt-Reportage“ von Stephanie Gargosch und Melanie Haack (Kamera: Frank Vieltorf) führt mit dem Auto von Aachen nach Küstrin, 778 Kilometer die Bundesstraße 1 entlang. Mit von der Partie sind Aachens Oberbürgermeister Jürgen Linden, sein Assistent und viele Aachener Printen. Es geht über den Rhein, durchs Ruhrgebiet, über Helmstedt und den ehemaligen Grenzkontrollpunkt bis nach Berlin und an die Oder, wo die Printen an die Bürgermeisterin der Gemeinde Küstrin-Kietz übergeben werden.

So wie die Mauer die beiden Teile Deutschlands einst trennte, verbindet die B 1 heute den Westen mit dem Osten. Eine Gemeinsamkeit: Wandel hat es seit 1989 hüben wie drüben gegeben. In Dortmund zum Beispiel, wo die B 1 Ruhrschnellweg heißt und wo einst die Stahlwerker von Hoesch „heißes Eisen schmolzen“, bis die Hütte zuerst mit Krupp fusioniert und Anfang des neuen Jahrtausends nach China verkauft wurde. Die freie Fläche soll bald einem riesigem Erholungssee mit neuen Arbeitsplätzen weichen. Viele Menschen lässt der Wandel dennoch enttäuscht zurück. Dem Strukturwandel zollt der ehemalige Hoesch-Betriebsrat Hans-Otto Wolff durchaus Tribut, aber er weiß, dass der Wechsel vom Stahl zu High-Tech die eigene Generation überfordert hat.

Sich an die neuen Zeiten zu gewöhnen, fällt schwer, auch dort, wo die B 1 für Jahrzehnte Fernverkehrsstraße 1 hieß und oftmals Austragungsort der „Friedensfahrt“ war – der ostdeutschen Variante der Tour de France. Oft ganz vorne dabei war Gustav-Adolf Schur, besser bekannt als „Täve“ Schur. Linientreu bis zuletzt hat das Radsportidol alle Vorzüge des Systems genossen, im ZDF-Film darf er sich noch einmal im sandfarbenen Delegationsanzug des VEB Elegant zeigen, den die DDR-Teilnehmer bei den Olympischen Spielen von 1960 in Rom trugen.

Die Versöhnung von Ost und West erfolgt in Berlin. Nicht an der Glienicker Brücke, dort werden noch einmal Kalter Krieg und Agentenaustausch beschworen. Es ist der Potsdamer Platz, an dem die Wunde geschlossen wird. Die Reportage sammelt in einer halben Stunde interessante Geschichten entlang der B 1 ein. Wichtig wäre, dass die nächste Bestandsaufnahme in entgegengesetzter Richtung erfahren wird. Kurt Sagatz

„blickpunkt – Die Reportage: 778 Kilometer Deutschland – Auf der B 1 von Aachen nach Küstrin“, ZDF, 12 Uhr 47

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