Medien : Zum Glück gibt’s die ARD

Mit einer hausbackenen Show feiert heute das Erste 50 Jahre Lotto

Bernd Gäbler

Was für ein Glück. Da hat aber jemand aufgepasst. Die Kontrollmechanismen funktionieren. Die segensreiche Einrichtung einer Clearing-Stelle wirkt auch proaktiv. Monatelang war davon die Rede, am 15. Oktober werde die ARD eine „Fünf-Millionen-Lotto-Show“ ausstrahlen. Hätte da nicht Schleichwerbung gewittert werden können? Es ist alles geklärt: Die Sendung heißt „Die Gold- Show.“ Welch ein Ideenreichtum. Es gibt Kandidaten, Paten, Showtreppe, Udo Jürgens, Cliff Richard, Karin-Tietze-Ludwig. Statt Ulla Kock am Brink moderiert Monica Lierhaus, hochhackig, fehlerlos. Statt „produziert in Zusammenarbeit mit dem deutschen Lotto- und Toto-Block“, wie es früher hieß, steht jetzt auf „Lotto.de“ schlicht: „Die Gold-Show krönt das Lotto-Jubiläumsjahr.“

Da neben dem von dieser Gesellschaft zur Verfügung gestellten Fünf-Millionen-Euro-Hauptgewinn die Zuschauer in einem Telefonspiel noch 100 000 Euro gewinnen können, kann auch diesbezüglich von schleichender Werbung nicht die Rede sein. Über jeden Verdacht erhaben ist auch der Produzent, die eigens fürs Unterhaltende von der Bavaria und der WDR-mediagroup (ehemals WWF = Westdeutsches Werbefernsehen) gegründete Tochterfirma „First Entertainment“, die schon mit diversen PISA-Shows und Promi-Biathlon, -Radfahren und -Rennen zu überzeugen vermochte. Da soll es mal ein paar überzählige Leibchen mit Logos gegeben haben, die diese „Promis“ spazieren führten – aber nebbich.

Nur Böswillige haben Argwohn, im Grunde genommen – so belehrt uns in vorweihnachtlicher Stimmlage WDR-Fernsehchef Ulrich Deppendorf – sind beide, ARD und Lotto, Müttergenesungswerke: „ARD und Lotto engagieren sich für das Gemeinwohl. Da liegt es nahe, sich zum 50. Geburtstag daran zu erinnern, was diese Partnerschaft erreicht hat.“ Sollte später einmal herauskommen, dass für die 120 Minuten doch Geld geflossen ist – zusätzlich zu den fünf Millionen Euro Gewinn, versteht sich –, könnte nachgearbeitet werden. Statt „Lotto“ hieße es dann: „Jenes Spiel mit 6 aus 49 Kreuzchen“ oder besser: „Jenes Spiel mit der Hauptgewinnchance von 1: 140 Millionen.“ Vermutlich ist alles legal, ist ja schließlich keine Nutella-Show. Monica Lierhaus dazu: „Wenn mir die ARD so eine Sendung anbietet, kann ich davon ausgehen, dass das in Ordnung ist.“ Wo ARD ist, kann kein Unrecht sein. Diese Haltung ist nicht nur loyal, sondern geradezu bavariahaft vorbildlich.

„Die Goldshow“, ARD, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar