Medien : „Zum Jammern“

Die SFBler fühlen sich im Rundfunk Berlin-Brandenburg einsam

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MAGNUS SCHIEBE, 65, war von 1988 bis 1994 Personalchef des

Senders Freies Berlin und arbeitete dann als Justiziar

der ARDAnstalt. Mit ihm sprach Joachim Huber.Foto: Schulz/RBB

Herr Schiebe, ist der Rundfunk Berlin-Brandenburg für einen ehemaligen SFBler das größte Glück auf Erden?

Mit Sicherheit nicht. Andererseits auch nicht das größte Unglück, denn so wie es in den letzten fünf Jahren beim SFB gelaufen ist, konnte es nicht weitergehen. Für die meisten Mitarbeiter war die Fusion geradezu eine Erlösung, weil beim SFB das Gegenteil dessen gemacht wurde wie beim ORB: Der ORB hat vor der Fusion aufgerüstet, wie es auch in der Politik und der Wirtschaft üblich ist vor Koalitionen und Fusionen. Beim SFB war man auf Abrüstung gepolt. Damit war entschieden: Es gibt keine Zukunft als SFB.

Sieht man sich die sechsköpfige Spitze des RBB daraufhin an, aus welchem Sender – SFB oder ORB – die Leute kommen, dann steht es 3:0 für den ORB. Belastet das die Stimmung?

Für die SFB-Kollegen besteht das Problem weniger darin, dass jetzt drei Personen aus dem ORB in der RBB-Geschäftsleitung sind, das Problem für sie ist: Sie haben niemanden, sie haben nicht einen Repräsentanten in der Geschäftsleitung. Das hätte man geschickter machen können. Es hätte im Sender Freies Berlin direktorable Leute gegeben, für den Hörfunk als auch für die Verwaltungsdirektion.

Neigt der SFBler generell mehr zum Jammern als der ORBler?

Der SFBler neigte immer zum Jammern zu allen Zeiten. Das hatte immer mit der Führungslosigkeit und dem Mangel an Disziplin im Sender zu tun. Der ORBler durfte gar nicht jammern, das war nicht vorgesehen im Reglement von Intendant Rosenbauer.

Die neue RBB-Spitze hält sich mit Aussagen über die finanzielle Verfassung des Senders zurück. Bewegt sich der RBB in finanziell geordneten Verhältnissen?

Gemessen an den Aufgaben, die der RBB stemmen müsste, ist er unterfinanziert, mit Sicherheit. Wenn er aber in dem bescheidenen Rahmen bleibt, den sich ORB und SFB bisher gesteckt hatten, ist er es nicht. Es kommt darauf an, welche Philosophie man ausgibt: Wenn man die viel beschworene Premium-Anstalt sein will, dann braucht man mehr Geld.

Muss die neue Intendantin Reim nicht deswegen bei der ARD anklopfen? Sieht man sich den gesamten Finanzbedarf der ARD-Anstalten und die Refinanzierung durch die Gebühren an, dann wird erkennbar, dass der RBB nicht die Finanzmittel erhält, die ihm eigentlich zustehen.

Diese Situation trifft nicht nur den RBB, sondern auch den Saarländischen Rundfunk und ganz besonders Radio Bremen. Bei diesem Sender geht es um die Existenz.

Der Rechnungshof von Bremen hat jetzt ein Gutachten der finanziellen Situation von Radio Bremen erstellt. Da wird das Missverhältnis in der Finanzierung der verschiedenen ARD-Sender glasklar festgestellt. Eine Lizenz zum Klagen?

Ich habe das Gutachten gelesen. Danach sind nicht nur die genannten drei Sender die Leidtragenden der nicht bedarfsgerechten Finanzierung, sondern inzwischen auch der Mitteldeutsche Rundfunk und der Südwestrundfunk. Der NDR mit plus 230 Millionen Euro und der WDR mit plus 324 Millionen Euro für die laufende Gebührenperiode bis 2004 sind die eindeutigen Gewinner des gegenwärtigen ARD-Verteilungssystems. Es sind nur noch drei Anstalten in der ARD, die von dieser Gebührenverteilung profitieren.

Wie löst die ARD dieses Problem?

Ich glaube, die ARD wird das Problem in den Griff kriegen, auch deshalb, weil sich die EU in Brüssel dafür interessieren könnte, dass es in Deutschland ARD-Sender gibt, die schlichtweg überfinanziert sind.

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