Zum Jubeln abkommandiert : Nordkorea

Joachim Huber ärgert sich darüber, wie das ZDF die Biathlon-WM und das Publikum hysterisiert. Die Propagandisten in Pjöngjang könnten davon etwas lernen.

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Die Unterschiede zwischen Nordkoreanern und Deutschen sind geringer als gedacht. Der Nordkoreaner schreit seine Trauer um den großen Führer in die Kameras, der Deutsche schreit seine Freude um die großen Biathlon-Stars in die Objektive. Beim Nordkoreaner wird geargwöhnt, dass seine Tränenflüsse choreografiert und inszeniert sind. Was beim Nordkoreaner ein Verdacht ist, ist beim Deutschen authentisch. Das Zweite Deutsche Fernsehen versucht bei der Biathlon-WM in Ruhpolding erst gar nicht zu kaschieren, dass die Mikrofonarbeiter das Tribünenpublikum hysterisieren. Und alle, alle müssen mitmachen, wenn die Stimmung zur Superstimmung hochgeputscht wird. Sport ist Gaudi, kapiert, jeder Wettbewerb eine Freiluftausgabe von „Wetten, dass..?“! Schon 75 Minuten vor dem Start wird sich begeistert, auf dass auch der letzte Miesepeter mitgerissen wird. Da kann der Nordkoreaner mal lernen, was echte Emotionen aus der Mitte des Volkes sind.

Biathlon fasziniert, 4,12 Millionen Zuschauer verfolgten die ZDF-Übertragung der Mixed-Staffel am Donnerstag. In den Perspektiven, technischen Details, bei Kameraarbeit und Regie wird erstklassiges Fernsehen geliefert. Damit nicht genug. Das ZDF, offenbar als Propagandasender der biathletischen Bewegung engagiert, sieht sich gefordert, von der ersten bis zur letzten Minute Begeisterung zu organisieren. Der Publikumseinpeitscher, aber nicht nur er, muss sich Glückspillen eingeworfen haben. Peinlicher, überflüssiger kann Anmache nicht sein. Ist der wirklich Journalist? Egal, ab nach Nordkorea. Kim Jong Un braucht ihn dringender.

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