Zum Semesterbeginn : Die Dschungelbücher

Wie Studentenmagazine Orientierung bieten

Sonja Pohlmann

Am Anfang ist noch alles gut. Auf den Warm-up-Partys der Fakultäten fließt das Bier, man lernt neue Männer und Frauen kennen, trifft alte Bekannte wieder. Dann wird’s ernst. Seminare müssen belegt, die richtigen Bücher rausgesucht – und vor allem gelesen werden. Mehr als zwei Millionen Studenten starten in diesen Tagen ins neue Semester. Zur Unterstützung haben viele ihren „Lebensabschnittspartner“ dabei: Uni- und Karrieremagazine wie „Zeit Campus“, „Junge Karriere“, „Uni-Spiegel“, den „FAZ-Hochschulanzeiger“ oder „Unicum“.

Die Blätter profitieren vom größeren Orientierungsbedarf der Studenten, die sich im System von Bachelor- und Masterstudiengängen zurechtfinden müssen. Entgegen dem allgemeinen Trend auf dem Zeitschriftenmarkt steigern sie ihre Auflage oder halten sie stabil. Gerade hat „Zeit Campus“ eine Rekordauflage verkündet: Mehr als 110 000 Exemplare verkaufte das Magazin im ersten Quartal 2009, was einem Zuwachs von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht. „Wir verstehen uns als Lotse durch die stürmische See von Studium und Berufseinstieg“, sagt Chefredakteur Manuel J. Hartung. Er selbst ist 27, schreibt gerade an seiner Magisterarbeit in Geschichte. Auch seine Kollegen studieren teilweise. Im aktuellen Heft geht es darum, wie viel Konkurrenz gesund, oder warum die Handels- und Logistikbranche ein attraktiver Arbeitsplatz für Globetrotter ist. Darüber hinaus geht es im Ressort „Leben“ um Themen wie Liebe, Freundschaft und Gefühle.

Eine der beliebtesten Kategorien ist der Mensabesuch mit einer prominenten Person, aktuell mit Gesine Schwan, die über Niederlagen und Ehrlichkeit in der Politik spricht. Hartung erklärt den Erfolg seines Magazins auch mit der „Erotik der Haptik“. Zwar informiere sich die Zielgruppe stark im Netz, doch Print wirke bei ihr weiterhin. „Mit einem gut gestalteten Magazin setzt man sich immer noch lieber an die Spree oder Elbe, als mit dem Laptop“, sagt Hartung. Während „Zeit Campus“ sich mehr dem Studentenleben mit seinem Problemen widmet, richtet sich die „Junge Karriere“ aus dem Hause „Handelsblatt“ an Studenten, die kurz vorm Uniabschluss stehen. Nicht als verbissen, sondern als motiviert und leistungsbereit beschreibt Chefredakteurin Tanja Kewes, 30, die Zielgruppe, der es nicht ausschließlich darum gehe, viel Geld zu verdienen, sondern einen Arbeitgeber zu finden, bei dem Karriere und Familie zu vereinbaren sind. „Wir sind so etwas wie der ältere Bruder oder die ältere Schwester, die Tipps für den besten Berufseinstieg gibt.“ In jeder Ausgabe gibt es einen Branchenschwerpunkt, in der kommenden über Unternehmensbereiche, die sich mit Umweltschutz beschäftigen. Dazu Tipps, wie man Anschreiben formuliert, Gehalt verhandelt oder Zeugnisse aussehen müssen. Rund 150 000 Hefte verkauft die „Junge Karriere“ monatlich.

Zwar bekommen auch Studentenzeitschriften die Anzeigenkrise im Printmarkt zu spüren – doch hält sich das Ausmaß in Grenzen. Unternehmen wollen nicht auf die Imageanzeigen verzichten, mit denen sie um den gut ausgebildeten Nachwuchs werben. Der Führungskräftemangel ist durch die Krise aktuell weniger zu spüren, bleibt aber bestehen.

Auch die Blätter selbst erfüllen eine Rekrutierungsfunktion – für die Mutterhäuser. Die „Zeit“ hofft, durch „Zeit Campus“ neue Leser zu gewinnen, die „Junge Karriere“ fürs „Handelsblatt“ oder der „FAZ Hochschulanzeiger“ für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Auch der „Spiegel“ legt seinen „Uni-Spiegel“ den Studentenabonnements bei, ebenso liegt er wie der „Hochschulanzeiger“ kostenlos auf dem Campus aus. Die jungen Leser sollen so von den Qualitäten der Marke überzeugt werden. Zwei Millionen Studenten sind zwei Millionen potenzielle Abonnenten. Sonja Pohlmann

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