Medien : Zur Unzeit

VW sponsert Lifestyle-Blatt mit Tipps für heiße Reisen

Ulrike Simon

Eine Bikini-Schönheit räkelt sich im Sand. „Samba Style. Check-in für eine heiße Brasilien-Style-Tour“, steht darunter. Das Titelbild des Magazins „anyway“ verweist auf einen Artikel, der mit dem Satz überschrieben ist: „Brazilian Days. ,anyway’ zeigt, wovon alle reden. Eine Brasilianerin und das süße Leben am Strand.“ Pikant: Das Magazin ist von der Volkswagen AG gesponsert.

Vor etwas mehr als einer Woche erschien die Ausgabe. Zur Unzeit also, bedenkt man, dass Worte wie Brasilianerin, Luxusreisen, Hotels derzeit vor allem an die Korruptionsaffäre denken lassen, in die der Wolfsburger Autohersteller verwickelt ist. Das Sponsoring dieser Zeitschrift ist zweifellos als „kommunikationstechnische Panne“ zu bezeichnen.

Selbst zu Schadenfreude nicht neigende Menschen schütteln sich bei der Lektüre. Im Mittelpunkt des Magazins steht der VW Fox, dessen Name auch ein Hotel in Kopenhagen trägt. Im „Traumbericht“, verfasst von „anyway“-Herausgeber Alexander Geringer, wird eines der Hotelzimmer als „kleine verführerische Erotik-Box“ mit rotem Teppich und einer „kleinen Love-Insel aus schwarzem Leder“ beschrieben. Sieben Künstler, fotografiert in Fox-Zimmern, verraten in der Rubrik „Bett-Geflüster“ Ausgehtipps in ihren Heimatstädten Barcelona, L.A. oder Miami. VW-Mann Hartwig von Saß wird mit den Worten zitiert, das Hotel sei wie der VW Fox: Von außen wirkt es klein, innen sei es großartig. Neben einer 24-Stunden-Reportage über Wolfsburg und einem Interview mit dem Architekten Richard Fox – dessen Name man sich merken sollte, wie es im Magazin heißt – wird auch der brasilianische VW-Fox-Designer porträtiert. Nicht zu vergessen die Bar- und Nachtclub-Tipps und die Empfehlungen von den „VW-Experten für Gesundheit und Sicherheit“.

Die erste Ausgabe von „anyway“ aus dem Verlag ahead media, Berlin/Wien, erschien auf Deutsch und Englisch in Europa, Asien und den USA. Erhältlich ist sie in Hotels, Flughafen- und Bahnhofskiosken und im Buchhandel. Ein Teil der 150 000 gedruckten Exemplare ist für deutsche VW-Händler gedacht. Sie sollen Käufern eines VW-Fox das Magazin kostenlos mitgeben. Ein VW-Sprecher meinte am Montag, einen Zusammenhang zwischen dem Heft und der Affäre herzustellen, sei absurd.

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