Medien : Zurück in die Vergangenheit

Medientage München diskutieren PC-Gebühr

Marc Felix Serrao

Grau und schwer lag der Herbstnebel gestern früh über der bayerischen Landeshauptstadt. Als um 10 Uhr endlich die Sonne rauskam, schien es, als würde der Dunst nach drinnen ziehen. „Medien auf Abruf: Folgen der Individualisierung für die Kommunikationsgesellschaft“, so der sehr aktuelle Titel des Eröffnungsgipfels der 20. „Medientage München“. Doch statt Weitblick und Visionen erlebte das Branchenpublikum eine detailreiche dreistündige Diskussion über die ab 1.1.2007 geplante Rundfunkgebühr für internetfähige Computer.

Einzig neu im Nebel war die Nachricht, dass das Gebührenmodell von Christian Wulff (CDU) neue Unterstützer hat. Dessen Amtskollege Edmund Stoiber (CSU) nannte den Vorstoß, die Rundfunkabgabe künftig pro Haushalt statt pro Empfangsgerät zu erheben, „sehr vernünftig“. 2008 soll der neue Rundfunkstaatsvertrag ratifiziert werden, die „Haushaltsabgabe“ könnte dann 2009 in Kraft treten. Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber plädierte in dem Zusammenhang für eine „ertragsneutrale“ Gebühr. Auf Deutsch: Macht, was ihr wollt, solange wir, die Öffentlich-Rechtlichen, hinterher genauso viel Geld bekommen wie vorher.

„In welcher Welt leben wir denn?“, wetterte Hubert Burda, als er nach zwei Stunden endlich das Wort erhielt. Der Verleger, der sich mit seinem „Digital Lifestyle Day“ alljährlich selbst auf Trendsuche begibt, kritisierte die geplante PC-Gebühr als realitätsfremd. Er kenne niemand, der im Internet ARD und ZDF schaue. Im Gegenteil: Junge Mediennutzer und Blogger stünden den etablierten Medien äußerst skeptisch gegenüber. Ähnlich die Kritik von Guillaume de Posch, Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat 1: Die Diskussion über zeitgemäße Gebühren für ARD und ZDF und eine Neuausrichtung der dualen Rundfunkordnung zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien hätte es vor fünf Jahren geben müssen. „Jetzt geht es um Google, YouTube – was machen wir mit denen?“ Die Marktführer der neuen Medienwelt selbst fehlten bei diesem „Zukunftsgipfel“. Vermutlich hatten sie vorher den Wetterbericht gehört.

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