Medien : Zurück zur Sandburg

Machen Smartphones und Internet dumm? Frank Plasberg moderiert an der Lebenswirklichkeit vorbei.

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Fordert ein Telekolleg für Medienkompetenz: Christopher Lauer, Fraktionschef der Piraten-Partei in Berlin, war am Montagabend zu Gast bei „Hart aber fair“. Foto: WDR Foto: WDR/Klaus Görgen
Fordert ein Telekolleg für Medienkompetenz: Christopher Lauer, Fraktionschef der Piraten-Partei in Berlin, war am Montagabend zu...Foto: WDR/Klaus Görgen

Wäre das Leben ein bisschen mehr wie bei „Hart aber fair“, stünde es schlecht um unsere Welt. „Handy an. Hirn aus – wie doof machen uns Apple und Co?“ hieß die Sendung, in der Frank Plasberg und seine Gäste am Montagabend im Ersten über Medienkompetenz bei Kindern und die Herausforderung des digitalen Zeitalters hätten diskutieren können. Stattdessen moderierte Plasberg die Truppe gekonnt von der iPhone-Rassel für Babys über Ballerspiel-Fan Prinz Harry hin zum Kauf von Predator-Drohnen durch die Bundeswehr – und damit an der Lebenswirklichkeit vorbei. Nun gehört es zum Konzept von „Hart aber fair“ zu polarisieren. Gleich zu Beginn hält Plasberg ein Spielzeug in die Kamera. Eine Rassel, die – an ein iPhone angeschlossen – für Kinder ab sechs Monaten geeignet sein soll. Plasberg vermag das Gerät nicht auszuschalten. Ob das daran lag, dass er zu viele oder zu wenige Apple-Produkte verwendet, blieb offen. Der Punkt war gemacht: Kinder werden zu früh mit Elektronik überschwemmt, Kindheit durchdigitalisiert.

Dazu ließe sich viel Erhellendes sagen. Etwa, dass man sich ja nicht alles aufschwatzen lassen müsse, was die Industrie einem hinwirft, wie der Wissenschaftsjournalist Rangar Yogeshwar versuchte anzubringen. Dass gerade die Phase anbreche, in der versucht werden müsse, zu definieren, wie und in welcher Form das Internet und die dazugehörigen Endgeräte sinnvoll von Kindern und Jugendlichen benutzt werden könnten. Selbst Christopher Lauer, der Berliner Fraktionschef der Piraten, der offenbar eingeladen war, um die Hardcore-Generation der Digital Natives zu verteidigen, versuchte entgegen seiner ihm zugeschriebenen Rolle für eine differenzierte Debatte zu werben. Für eine verantwortungsvolle Trennung zwischen analogem Leben und den Möglichkeiten des Internets.

Doch die Debatte gehörte auch dank Moderator Frank Plasberg, der augenzwinkernd Yogeshwars Einlassungen als Schlaumeierei abtat, den Angstmachern: „Der Endorphinschub, den man bekommt, wenn man die Sandburg fertig gebaut hat. Das ist das Leben“, sagt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Computerspiele dagegen, das wird schnell klar, fördern die Bereitschaft zum Amoklauf – aber nur, wenn die Kinder durch das viele Daddeln dafür nicht schon viel zu fett geworden sind. Christopher Lauer schließt resigniert die Augen.

Das Angstszenario ist noch nicht voll ausgemalt: Schnell kommt die Diskussion auf Prinz Harry, der seinen Einsatz in Afghanistan mit einem Computerspiel verglich. So wird aus dem Spiel Krieg und wohin das führe, sehe man ja an den Plänen der Bundeswehr, Predator-Drohen anzuschaffen, mittels derer Menschen am Computer getötet werden können. Ob die Soldaten dann wohl auch eine iPhone-Rassel in ihrer Wiege hatten?

Nicht, wenn es nach Paula Bleckmann geht, Medienpädagogin am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Sie fordert, Kinder bis zum 15. Lebensjahr mit Smartphones und Laptops zu verschonen. Andernfalls entwickle sich keine Medienmündigkeit, sondern eine Abhängigkeit. Eigentlich ein interessanter Punkt. Doch wie sich das im Alltag bewerkstelligen ließe und wie man seine Kinder vor dieser Abhängigkeit schützen kann, verriet die Pädagogin mit Verweis auf „die Privatsphäre meiner Kinder“ nicht. So wird das wohl nur Christopher Lauer erfahren. Den würde sie mit auf eine Insel ohne Smartphones und Internet nehmen und ihm einmal erklären, wie das so läuft mit der Kindererziehung und den neuen Medien und so.

Ein Dialog sieht anders aus. Einen solchen – wenigstens das hat die Sendung wohl eher unfreiwillig bewiesen – braucht es aber mehr denn je. Christopher Lauer erhielt denn auch keine Antwort auf seine Frage, warum es nicht auch ein Telekolleg zu Mediennutzung und Medienkompetenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gebe. Ja, warum eigentlich nicht?

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