Medien : „Zwei Helden“

Arte zeigt den ersten Film von „Dogma“-Regisseur Vinterberg

Thomas Gehringer

Karsten wird Vater. Etwas verspätet allerdings, weil er erst nach Jahren von der Existenz seiner Tochter Louise (Mia Maria Back) erfährt. Und unter schwierigen Umständen; Denn Karsten (Thomas Bo Larsen) hat Hafturlaub und muss einen Tag, nachdem er Louise kennen gelernt hat, eigentlich wieder zurück ins Gefängnis. Auch kann er kaum lesen und nicht weiter als bis vier zählen. Sein Freund Peter (Ulrich Thomsen) verliert ohne rechtzeitige Tabletteneinnahme nicht nur beim Autofahren die Kontrolle. Teenager Louise wiederum wird von ihrem Stiefvater geschlagen und reißt aus. Also nimmt Karsten seine neue Verantwortung an – bedingungslos und zugleich hoffnungslos überfordert. Kleine und große Katastrophen pflastern fortan den Weg dieses liebenswert-lebensuntüchtigen Trios. Und Karstens Vaterwerdung wird zu einer absurd-komischen, spannenden und berührenden Film-Reise, auf die Thomas Vinterberg sein Publikum in „Zwei Helden“ mitnimmt.

Arte bietet hier ein cineastisches Juwel, verspätet zwar wie Karstens Vaterschaft, aber das tut nichts zur Sache. Im Gegenteil: Man erkennt die Hauptdarsteller als zwei alte Bekannte wieder, Ulrich Thomsen und Thomas Bo Larsen, die Brüder aus Vinterbergs „Das Fest“ (1998). Doch nicht dieser erste „Dogma“-Film, in der die Fassade einer ehrenwerten Familie beim Geburtstag des Oberhaupts zusammenbricht, sondern „Zwei Helden“ war 1996 Thomas Vinterbergs Film-Debüt. Auch hier verzichtete der dänische Regisseur bereits auf künstliches Licht, nachträgliche Tonaufnahmen und Kamerastative. Dennoch wirkt „Zwei Helden“ noch weitaus weniger radikal als die grobkörnige, verwackelte Bildästhetik von „Das Fest“. Mittlerweile hat sich Vinterberg von der „Dogma“-Bewegung abgewandt. Genauer gesagt: Er hält sie für „mehr als tot, sie wurde völlig ausgeschlachtet. Sie ist eine Marke geworden, es gibt sogar ,Dogma’-Möbel“, erklärte er im vergangenen Jahr zum Filmstart von „It’s all about love“.

Dem Publikum kann das schnuppe sein. Die Figuren in Vinterbergs skandinavischem Roadmovie unternehmen einen vergnüglichen Ritt immer hart am Abgrund entlang. Nie gelingt etwas nach Plan, nie misslingt etwas aus Böswilligkeit, fortwährend richten Karsten und Peter aus Versehen den größtmöglichen Schaden an. Selbst beim Showdown ihrer bizarren Reise lassen sich Vinterbergs Helden, die sich im Hotel arglos als Helmut Schmidt, Björn Borg und Gitte anmelden, ihren sehr eigenen Blick auf die Realität nicht nehmen.

„Zwei Helden“: Arte, 20 Uhr 45

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