Medien : Zwei Hunde namens Wotan

Gerrit Bartels

Wickerts Bücher, ARD . Es ist natürlich nicht leicht, eine klug-unterhaltsame Büchersendung zu machen, die direkt nach „Harald Schmidt“ kommt. Noch schwerer wird es, wenn Late-Night-Talker Schmidt diese so ankündigt: „Jetzt liest Uli Wickert sich gleich aus seinen eigenen Büchern vor“. Das hat Wickert zum Glück nicht getan. Trotzdem fragte man sich nach der halbstündigen Sendung doch sehr drängend: Geht es nicht eine Idee elanvoller? Zupackender? Fokussierter?

Nachdem das Gespräch mit Grass nach dem Medienzauber um dessen Autobiografie wie eine Art „Tagesthemen extra“ gewirkt hatte und die zweite Ausgabe im Trubel der Buchmesse untergegangen war, ging Wickert an diesem Donnerstagabend mit Büchern und Gästen ein drittes Mal auf Sendung und damit gewissermaßen in die Etappe, vielleicht um gar einmal ein Konzept sichtbar werden zu lassen. Thema dieser Ausgabe: Kriminalromane. Zu Gast waren Friedrich Ani und Cora Stephan, die unter dem Pseudonym Anne Chaplet ihre Krimis schreibt, sowie Henry Hübchen, der in den Verfilmungen von Veit Heinichens Triest-Krimis den Commissario Laurenti spielt. Ausgerechnet an den Schauspieler Hübchen gingen die ersten Fragen von Wickert („Wie identifizieren Sie sich mit dieser Figur?“, „Hat der Leser nicht einen ganz eigenen Zugang?“), und man merkte schon hier, dass das Ganze nicht mehr als eine gemütliche Kaminplauderei war.

Es hat ja seinen Reiz, einfach mal so über Kriminalromane zu reden. Wie sie gesellschaftliche Wirklichkeit abbilden. Warum es bei Chaplet einen Hund namens Wotan gibt. Wie die Figuren zu ihrem Namen kommen, ab wann sie ein Eigenleben führen, und ob Ani immer genau weiß, wie seine Romane enden. Von den neuen Büchern von Ani und Chaplet aber erfuhr man nichts, die wurden nicht vernünftig vorgestellt und waren nur das Material, um allgemeinere Fragen zu klären. Der wie üblich spröde Wickert war gut vorbereitet, gewiss. Er wusste im Gegensatz zu Chaplet sogar, dass in einem früheren Roman von ihr schon einmal ein Hund Wotan geheißen hatte. Nur als Chaplet einmal sagte, er wisse doch, wie das ist mit dem Krimischreiben, hielt sich der Krimiautor Wickert bedeckt: „Ja, das Ziel ist wichtig“. Das Ziel von „Wickerts Bücher“ aber ist einmal mehr nicht kenntlich geworden.

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