Zwei Länder, zwei Schicksale : Harter Fall, weicher Fall

Die britische BBC muss 20 Prozent ihres Etats einsparen und 5000 Stellen streichen. Die Rundfunkgebühr für ARD, ZDF und Deutschlandradio bleibt bis 2014 stabil.

Die BBC muss ihre Programm- und Personaletats um 20 Prozent kürzen und in den nächsten fünf Jahren weitere 2000 Stellen streichen, um mit ihrem gekürztem Budget auszukommen. Damit wird der Personalbestand der öffentlich-rechtlichen Anstalt von 23 000 im Jahr 2009 auf unter 17 000 Mitarbeiter fallen. „Mindestens“ weitere 1000 Beschäftigte sollen im Rahmen des Dezentralisierungsprogramms von London in das billigere Produktionszentrum Salford/Manchester umgesiedelt werden, darunter der Kultursender Radio 3. Bei den Programmkürzungen sind am schwersten Sport und die Tagesprogramme betroffen. Ihren traditionellen Standort West London mit dem historischen TV Centre wird die BBC aufgeben. Als geschützte Kernaufgaben wurden Nachrichten, Kinderprogramme, Drama (Fernsehspiele) und Komödie identifiziert. Abendprogramme und der Wortsender Radio 4 sollen unangetastet bleiben. Sportrechte-Budgets werden um weitere 15 Prozent gekürzt, nachdem die BBC aus Geldnot bereits die Formel-1Übertragungen reduzieren musste. Radio 3 wird weniger Livekonzerte übertragen, auch Kürzungen bei den Rundfunkorchestern und -chören sind ins Auge gefasst. Das jährliche Musikfestival „BBC Proms“ soll unangetastet bleiben.

„Die BBC muss zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit weniger Geld auskommen“, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums BBC Trust, Lord Patten. „Wir sollten aber in der Lage sein, mit 3,5 Milliarden Pfund (vier Milliarden Euro) einen hervorragenden öffentlichen Sender zu betreiben“. Die Rundfunkgebühren von jährlich 145,50 Pfund (umgerechnet 14 Euro im Monat) wurden 2010 bis 2016 eingefroren, zusätzlich muss die BBC die Kosten für den World Service tragen, der bisher vom Außenministerium finanziert wurde. Das Realeinkommen der BBC geht bis 2016 wegen der hohen Inflation um mindestens 20 Prozent zurück. Die BBC, von einigen Medien oft als „aufgeblähter Apparat“ bezeichnet, will die Einsparungen so weit wie möglich durch Effizienzsteigerungen erbringen und Umfang, nicht Qualität des Angebots senken. Aber George Morrisey von der Rundfunkgewerkschaft BECTU kritisierte die „Salamikürzungen“, ein „riesiger Verlust an Qualität“ sei unvermeidlich. Der BBC-nahe Kommentator Steve Hewlett betonte, „niemand in der Öffentlichkeit hat diese Kürzungen gefordert“.

In Deutschland überweist der Gebührenzahler pro Monat 17,98 Euro, damit ARD, ZDF und Deutschlandradio jährlich über 7,2 Milliarden Euro verfügen können. Dieser Betrag soll über die laufende Gebührenperiode bis 2012 auch für 2013 und 2014 stabil bleiben. Dies schlägt die Gebührenkommission KEF vor, wie die ARD am Donnerstag meldete. Zwar stelle die KEF einen zusätzlichen Bedarf für ARD, ZDF und Deutschlandradio fest, allerdings halte sie eine verlässliche Prognose der Erträge nach der Umstellung auf das neue Beitragsmodell 2013 nicht für möglich und begründe hiermit ihre Empfehlung zur Beitragsstabilität. „Die ARD begrüßt diese Haltung. Damit wäre die monatliche Gebühr für mindestens sechs Jahre stabil“, heißt es. Burkhardt Müller-Sönksen, medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, kritisierte, „dass die ARD einen Bericht bewertet, der selbst nicht veröffentlicht wurde. Statt sich einer transparenten Debatte um die erhöhte Gebührenanmeldung zu stellen, entzieht sich die ARD so jeder Kritik.“ Matthias Thibaut/Joachim Huber

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