Medien : Zwei Mal Deutschland

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Wenn wir uns nicht allzu sehr täuschen, bereitet sich in Deutschland gerade ein neuer Generationenkonflikt vor. Im Spiegel der Medien erscheinen die Alten zunehmend als starrsinnige Empfänger ruinös hoher Staatsbezüge. Als Vampire, die das Blut der Jugend frisch von der Quelle wegtrinken. Falls uns nicht plötzliche Wirtschaftsaufschwünge retten, wiederholt sich Achtundsechzig demnächst als Rentenkrieg. Zahl’ für keinen über dreißig! Doch bis der Konflikt eskaliert, werden die ganz Alten ausgestorben sein. Jene, die noch direkt in die Tragödien des 20. Jahrhunderts verstrickt waren. In Unheilsgeschichten ohne Maß, neben denen die Sorgen der Nachgeborenen manchmal klein wirken. „Im Kessel“ heißt ein atemberaubendes Feature von Carl Schüddekopf, das die mittlerweile wohl letzten Überlebenden der Schlacht von Stalingrad vorm Mikrofon versammelt. Ehemalige Soldaten der 6. Armee erzählen, wie es wirklich gewesen ist. In den Knochenmühlen des Weltkriegs, als binnen weniger Wochen Hunderttausende starben. Als der Tod Orgien feierte, weil ein irrer Tyrann in seinem Bunker von der Weltherrschaft träumte (Deutschlandfunk, 19. November, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz).

Den imperialen Träumen einer verführten Nation folgte das Elend an allen Fronten. Auch die Frauen wurden haftbar gemacht. In Charlotte DrewsBernsteins Feature „Zehn Jahre Sibirien“ erzählen weibliche Häftlinge eines russischen Zwangsarbeitslagers. Während ihrer Flucht aus Ostpreußen oder Schlesien wurden sie gefangen genommen und nach Sibirien verschleppt. Endlose Jahre einer Qual, über die nun zum ersten Mal berichtet wird (Radio Kultur, 20. November, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

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