Medien : Zwei Verpackungen, gleicher Inhalt

„Frau im Spiegel“ heißt jetzt auch „Look“

-

Binnen zehn Jahren hat sich die verkaufte Auflage von „Frau im Spiegel“ halbiert: von 751 847 auf 365 413 Exemplare. Ein Grund ist das Bemühen von Chefredakteurin Karin Schlautmann, das wöchentliche Frauenblatt zu verjüngen. Mit jeder Änderung fühlten sich mehr der durchschnittlich 58,3 Jahre alten Leserinnen vergrault – junge rückten kaum nach. „Läge bei mir zu Hause ,Frau im Spiegel‘ herum, würde meine Freundin denken, Oma ist zu Besuch“ – solche Sätze bekamen die Marktforscher von Gruner + Jahr zu hören. G + J langt jetzt ganz tief in die Trickkiste für einen letzten Rettungsversuch der immer noch gewinnbringenden Zeitschrift.

Neben „Frau im Spiegel“, die wie gewohnt weiter erscheint, gibt es seit gestern testweise in Baden-Württemberg und Hessen „Look“. Der Inhalt beider Hefte ist weitgehend identisch. Wenig unterscheidet die Blätter, deren Auflagen bei Erfolg (wie bei „Welt“ und „Welt Kompakt“) nur noch gemeinsam ausgewiesen werden: Statt acht Rätselseiten finden sich bei „Look“ nur zwei, der Rest widmet sich Partyklatsch. Und während „Frau im Spiegel“ damit aufmacht, wie Boris Beckers uneheliche Tochter die Oma verzaubert, bringt „Look“ Claudia Schiffer auf dem Titel. Beide Geschichten stehen aber in beiden Blättern. Identisch sind auch die Anzeigen, so dass sich die 30-jährige „Look“-Leserin wundern dürfte, warum sie als Zielgruppe für die biedere Mode von Peter Hahn (bis Größe 56) gilt. So offen hat noch kein Verlag Verpackungsschwindel begangen. usi

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben