Medien : Zweifel am „Kapuzenmann“ im „Spiegel“

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Eine Berichtigung in der Wochenendausgabe der „New York Times“ hat möglicherweise auch Konsequenzen für das deutsche Magazin „Der Spiegel“. Am 11. März hatte die US-Zeitung über einen Iraker namens Ali Shalal Qaissi berichtet, der behauptete, der Mann mit der Kapuze und den verdrahteten Händen auf dem berühmten Foto aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis zu sein. In ihrer Wochenendausgabe korrigierte sie sich: In einem „tränenreichen Telefonat“ habe Qaissi, genannt Hadschi Ali, eingestanden, nicht der Mann auf dem Symbolbild für den Folterskandal zu sein. Der „Spiegel“ hat in einer Geschichte, die am 26.9.2005 erschien, ebenfalls Hadschi Ali unter der Überschrift „Der Kapuzenmann“ porträtiert. Nun stellt sich die Frage, ob das Magazin mit dem Falschen gesprochen hatte. Einer der beiden Autoren, Marian Blasberg, hatte Hadschi Ali getroffen. Er schrieb: „Hadschi Ali sagt, dass er sich sicher sei, der Mann auf diesem Bild zu sein.“

Der Zweifel daran, ob Qaissi tatsächlich der Mann mit den Elektrokabeln aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis ist, wiegt besonders schwer, da die Geschichte für den renommiertesten deutschen Reportagepreis, den Egon-Erwin-Kisch-Preis, nominiert worden ist. „Der Spiegel“ hat gestern selbst mit Qaissi telefoniert. Der habe zwar gesagt, nicht der Mann auf dem Foto zu sein, das die „New York Times“ gedruckt hatte. Jedoch sei er auf anderen Fotos ebenfalls mit Drähten und Kapuze abgebildet. Der „Spiegel“-Ressortleiter für den Bereich Gesellschaft, Cordt Schnibben, erklärt, er gehe davon aus, dass es mehrere Fotos von unterschiedlichen Gefangenen gebe, die auf dieselbe Art und Weise gefoltert worden seien. Zur Bebilderung der Geschichte hätten ihm auch mehrere Fotos vorgelegen. Am heutigen Montag wolle er klären, ob bei der Auswahl ein Fehler unterlaufen sei. An der Glaubwürdigkeit von Qaissi zweifelt er nicht. Neue Fotos bewiesen, dass er sich am Tag, an dem auch das berühmte Foto entstand, in derselben Folterzelle aufgehalten habe. Außerdem sei die Geschichte ein Doppelporträt von Qaissi und dem US-Soldaten Javal Davis, der damals in Abu Ghraib mitgefoltert hat. Davis kenne die Geschichte und habe sie sogar für gut befunden. Die neuen Zweifel sind für Schnibben auch kein Grund, dass die Geschichte nicht für den Kisch-Preis nominiert werden kann. nol

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