Medien : Zweisprachige "taz": Nicht nur Kopftücher und Islam

Claudia Wessling

Die taz kommt von morgen an mit einer neuen zweisprachigen Wochenbeilage auf den Markt. "Persembe" - türkisch für "Donnerstag" - heißt die achtseitige Zeitung, die von einer unabhängigen zweisprachigen Redaktion erstellt wird. Die taz will damit nach Auskunft von Chefredakteurin Bascha Mika mehr türkische Leser gewinnen. Mit einer Auflage von ca. 63 000 Exemplaren befindet sich das Blatt zur Zeit in einer schwierigen finanziellen Lage.

"Wir richten uns vor allem an die türkischstämmigen Migranten, die in zweiter und dritter Generation in Deutschland leben", sagte Persembe-Chefredakteur Ömer Ezeren, der 15 Jahre als Türkei-Korrespondent für die taz gearbeitet hat, auf der gestrigen Pressekonferenz. Die Beilage wolle auch ein Gegengewicht zu den traditionellen türkischen Medien bilden, die fast ausschließlich aus der Türkei berichteten. "Eine fiktive Welt für Türken, die in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen sind."

Deutsch- und türkischsprachige Beiträge sollen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Dies entspreche, so Ezeren, der Lebensrealität vieler junger Türken, die mit beiden Sprachen groß würden. Beim deutschen Leser will Ezeren mehr Verständnis wecken: "Die türkische Kultur besteht nicht nur aus Kopftüchern und Islam."

Mit Berichten über den sozialen und politischen Alltag der türkischen Gemeinde will Persembe ein Diskussionsforum bieten. Die Redaktion besteht zunächst aus fünf Redakteuren und einer großen Zahl freier Mitarbeiter.

Die inhaltliche Ausrichtung von Persembe gab nach Auskunft von Bascha Mika den Ausschlag für die Zusammenarbeit, denn Migration, Asylpolitik und Rassismus seien traditionelle taz-Themen. Redaktionell und finanziell wird Persembe von der taz unabhängig sein. Das Kapital für die Beilage kommt von der deutsch-türkischen "Interkulturelle Medien GmbH", die auch die Anzeigen für die Beilage akquirieren wird. "Deutsche Unternehmen interessieren sich zunehmend für Werbung in türkischen Medien", sagte Geschäftsführer Alper Öktem. Er entwickelte das Konzept für die Zeitung aus Ärger über die Berichterstattung in den althergebrachten deutschen und türkischen Medien, die an den Interessen der neuen Inländer vorbei ginge.

taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch sagte, dass die Zeitung bereits gute Erfahrungen als "Packesel" anderer Medien gemacht habe, zum Beispiel mit der monatlich erscheinenden "Le Monde Diplomatique". Mit Persembe habe man, teilte er weiter mit, eine Beteiligung an den Abo-Einnahmen vereinbart. Ob dieses Finanzmodell trägt, soll in einer bis Ende des Jahres dauernden Testphase erprobt werden. Bascha Mika verneinte, dass die neue Beilage Teil der Abo-Kampagne sei. "Wir hoffen, dass die taz dadurch an Abos und auch am Kiosk gewinnt - doch die Finanzkrise wird dadurch nicht gelöst."

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