Medien : Zwerge im Schnee

Wigald Boning

Eigentlich muss es ja richtigerweise heißen: Meine Fernseher und ich, besitze ich doch gleich mehrere Geräte. Im Gästezimmer meines Allgäuer Hauses verwöhne ich meine Freunde mit einem Robotron-Farbportable im Design der späten DDR, das immerhin knappe zwei verschneite Stationen sichtbar macht, nämlich ORF 1 und das hinter den Störpixeln kaum zu erahnende Bayerische Fernsehen.

Im Wohnzimmer blockiert ein voluminöser „Panasonic Quintrix 100 Hertz" ein reichliches Raumdrittel. Dieses hochmoderne Entertainment-Zentralgerät verfügt über alle denkbaren technischen Möglichkeiten, ist jedoch mit einer Satellitenschüssel verkabelt, die sich in niederschlagsreichen Bergwintern unter der Schneelast senkt und somit die Weitergabe der Bildware verweigert. Zu faul und zu sparsam, um ständig beim Fernsehmeister anzurufen und die Rejustage zu bezahlen, findet der „Quintrix" vor allem als Videomonitor Verwendung, zumeist für Kinderfilmchen wie „Bob der Baumeister" oder „Der kleine Maulwurf".

In meinem Arbeitszimmer verfüge ich ferner über einen kanariengelben „Brionvega" in Campinggröße.

Eigentlich ein schniekes Schmuckstück, doch leider habe ich die Antenne abgebrochen, als sich unlängst mein Ärger über die Vielzahl schlecht gemachter „Wer wird Millionär?"-Kopien zur weißglühenden Raserei steigerte. Ob ich wohl Jörg Pilawa die Rechnung schicken sollte? Und ob ich wohl wenigstens einen Antwortbrief mit einigen Worten des Bedauerns erhielte? Immerhin kann ich mit meinem Brionvega weiterhin ein grizzeliges DSF empfangen, und „Monstertruck" gehört seit jeher zu meinen Fernsehfavoriten.

Schließlich besitze ich noch einen Fernseh-Zwerg der Marke „Okano" mit knappen neun Zentimeter Sichtfensterbreite und bärig brummender Bildröhre. Dessen kryptische Bild- und Tonäußerungen in Schwarz und Weiß erfordern ein aufmerksames Mitdenken des Zuschauers und schulen nachhaltig das Kombinationsvermögen. Welche Programme hiermit empfangen werden können, ist schwer zu sagen: Die Bildränder werden vom Gerät nämlich großzügig unterschlagen, so dass die Senderlogos unsichtbar bleiben.

Diese Kleinstglotze, Neupreis 49 DM, ist mein Lieblingsfernseher, sie bietet unverfälschten markant-herben TV-Genuss ohne modischen Schnick-Schnack. Und seitdem ich diesen Quell wahrer Fernsehfreude vor meinem Hometrainer platziert habe, gibt es im Hause Boning auch keine sportlichen Motivationsprobleme mehr.

Wigald Boning ist Comedian.

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