Medien : Zwischen Doping und Leberpastete

Frank Bachner

Irgendwann mal beugte sich ein Mechaniker artistisch aus dem Begleitauto, hantierte am Hinterrad von Stuart O’Grady, und Rolf Aldag war wunderbar. Der frühere Radprofi Aldag erzählte, dass der Techniker jetzt an einer ganz bestimmten Schraube dreht, und dass O’Grady deshalb so viel schaltet, damit er nicht im Leerlauf tritt. Dann verlöre er nämlich sofort das Gleichgewicht. Der ZDF-Experte erzählte auch, wann Unterhemden Sinn machen und warum ein Profi trotz rasender Abfahrt weiter in die Pedale tritt. Diese Tour hat ihren neuen Doping-Skandal, sie hat tägliche Enthüllungen, aber sie macht trotzdem meist Spaß. Jedenfalls wenn das ZDF überträgt. Aldag ist einer der Hauptgründe für diese Unterhaltung. Der Mann kann druckreif reden, jeder Satz ist eine interessante Information. Vor allem durch Aldag werden vielstündige Übertragungen kurzweilig. Den Rest erledigten Einspielfilme, etwa über die Schaltsysteme bei einem Rennrad. Dazu kommt ein angenehm zurückhaltender Reporter Peter Leissl.

Aber natürlich kamen auch die ARD und Herbert Watterott. Der redete wie üblich über Roquefort-Käse, Gänsestopfleber und anderen Reiseprospekt-Schmus. Soll er, es gibt offenbar genügend Menschen, die dieser Kram interessiert. Der Punkt bei Watterott ist, dass er es, trotz 41 Jahren Tour-Erfahrung, nicht schafft, so spannend, so kenntnisreich, so detailliert zu erzählen wie Aldag. Der Ex-Profi Aldag geht mit Feinheiten in die Tiefe, Watterott bleibt, daran gemessen, mit blumigen Worten an der Oberfläche.

Aber wenigstens geriet die Tour 2006 nicht zum journalistischen Totentanz, das musste man ja nach dem Ullrich-Ausschluss befürchten. ARD und ZDF kümmern sich angemessen ums Thema Doping. Und dann hatten ARD und ZDF natürlich auch Glück. Ullrich ist weg, stattdessen rückten andere deutsche Fahrer nach vorne. Und damit kein Zuschauer mehr abspringt, wird ein nationaler Spitzenfahrer fast flehentlich in die Starrolle gedrängt. Eine mühsam als Frage getarnte Bemerkung an Andreas Klöden: „Doch wenn Sie in ihren Körper horchen, dann würden Sie schon sagen, dass Sie dazugehören, oder?“ Gemeint war: zu den Siegfahrern. Klöden, sichtbar genervt, sagte bloß: „Ich kann nur sagen, das ich mich gut fühle.“ Gut, der Mann.

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