Medien : Zwischen Krieg und Frieden

3sat zeigt Filme von Roberto Rossellini zum Kriegsende

Hendrik Feindt

Das Biopic gilt als ein neues Genre. Gerade zum Zweiten Weltkrieg sind viele dieser Filme entstanden, in denen das Leben der damals handelnden Personen nachinszeniert wird. 3sat zeigt, dass es ein altes Genre ist. Roberto Rossellini hat, kaum war der Krieg zu Ende, Spielfilme über die Zeit zwischen Krieg und Frieden gedreht. Es sind Werke des Neo-Realismus. Die Stilrichtung propagierte von Italien aus eine neue Sicht auf die Welt, eine Abkehr von den Leitbildern der Vergangenheit. Nicht selten – das zeigten die klassischen Beispiele, die im April auf Arte gelaufen sind – mag dabei der Tonfall ins Sentimentale geschlagen haben. Aber die Verlassenheit traf den Nerv: Wer erinnert nicht aus Vittorio de Sicas Film „Fahrraddiebe“ den Vater und seinen Sohn, die von allen Institutionen, von Kirche, Polizei und Gewerkschaft enttäuscht sind?

Der bildpolitisch offensivere Weg ist Roberto Rossellini gegangen: 3sat zeigt zwei seiner Werke. Neben „Deutschland im Jahre Null“, dem wohl einzigen im Nachkriegsdeutschland gedrehten Exempel des Neorealismus, das am 8. Mai gesendet wird, läuft heute Abend der zweistündige Episodenfilm „Paisà“, an dessen Drehbuch Federico Fellini und vor allem Klaus Mann mitgearbeitet hatten. Die sechs Momentaufnahmen aus den letzten Kriegsmonaten, als amerikanische Truppen Italien von der deutschen Besatzung befreiten: Es sind sechs Einblicke in eine Kollision der Kulturen, die nur in dem Maße Versöhnung aufscheinen lässt, wie das Wort „peace“ zu dem Neologismus „paisà“ italianisiert worden ist.

Da sind zum Beispiel drei amerikanische Feldgeistliche, deren Aufnahme in ein katholisches Kloster auf Befremden, wenn nicht Entsetzen stößt, als sich herausstellt, dass sich unter ihnen ein Protestant und ein Jude befinden. Oder da ist die Geschichte vom vergeblichen Einsatz versprengter GIs für italienische Partisanen, die von deutschen Truppen gefangen genommen und rechtlos hingerichtet werden (eine Episode, die bezeichnenderweise für lange Zeit in der hiesigen Verleihfassung nicht zu sehen gewesen ist). Rossellini hat dafür eine beispiellose Direktheit des vielsprachigen Tons, der unprätentiösen Kameraführung und des Einsatzes von Laiendarstellern gefunden. Sie ist seiner Erfahrung als Regisseur von Dokumentarfilmen zu verdanken.

„Paisà“: 3sat, 22 Uhr 25; „Deutschland im Jahre Null“ löuft am kommenden Sonntag ebenfalls in 3sat um 11 Uhr 15

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