Zwischen Talk und Show : Oberflächlich oder weltfremd?

Bundestagspräsident Norbert Lammert und Moderator Günther Jauch streiten über Polittalks.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat seine Kritik an der Politikberichterstattung des Fernsehens bekräftigt. In den elektronischen Medien gebe es „eine rapide Entpolitisierung“, sagte der CDU-Politiker am Dienstagabend in Berlin. Zugleich warf er Politikern eine Fixierung auf Talkshows vor. Es sei doch erstaunlich, wie viele seiner Kollegen die Einladung zu einer Talkshow für den Höhepunkt ihrer politischen Laufbahn hielten.

Dem widersprach bei einer Veranstaltung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung Günther Jauch, der am Sonntagabend im Ersten eine Talksendung moderiert. Die Politik müsse sich fragen lassen, warum sie beispielsweise für kommerzielle Sender so uninteressant geworden sei. Jauch sprach von einer „gewissen Weltfremdheit“, wenn man politischen Gesprächssendungen unterstelle, Politiker kämen dort nicht richtig zu Wort.

Lammert verwies auf Untersuchungen, wonach keine einzige Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen einen Politikanteil von mindestens 50 Prozent aufweise. Zu den hinderlichen Rahmenbedingungen für die Vermittlung politischer Inhalte zähle es, wenn sich O-Töne von Politikern in Nachrichten auf wenige Sätze oder Sekunden beschränkten und somit nur „Häppchen“ geboten würden. Seit längerem äußert Lammert immer wieder Kritik an der politischen Berichterstattung im TV und nimmt dabei besonders die öffentlich-rechtlichen Sender in den Blick. Bei der Veranstaltung zum Thema „Zwischen Talk und Show – Vom Glanz und Elend der öffentlichen Rede“ bekräftigte er seine Haltung, persönlich nicht an politischen Talkshows teilzunehmen. Jauch ermunterte ihn, sich auch solchen Sendungen zu stellen, auch wenn es einmal nicht um philosophische Tiefe gehe. Es gehe vielmehr um Offenheit und auch Mut.

Als krasses Beispiel fehlender Reden- und Debattenkultur führte „Stern“-Autor Hans-Ulrich Jörges den am gleichen Tag zu Ende gegangenen CDU-Bundesparteitag in Leipzig an. Nach seiner Einschätzung ist die mangelnde Qualität der politischen Rede in Deutschland auch darauf zurückzuführen, dass der Faden zwischen Volk und Politik abgerissen sei. KNA

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