Medien : Zwischentöne

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Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Bevor der Philosoph Rüdiger Safranski mit einer Fernsehtalkshow scheiterte, hat er eine Reihe bemerkenswerter Bücher geschrieben. Werke über die komplizierten deutschen Meisterdenker: Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger. Das Publikum fand solide philosophische Hermeneutik verbunden mit anmutiger biografischer Plauderei. Eine unwiderstehliche Mischung, die Safranski zum Bestsellerautor machte. „Dickicht und Lichtung“ heißt ein neuer Radioessay des Philosophen. Untertitel: Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch? Safranski beschreibt die global gewordene Zivilisation als Dickicht, durch das sich der von Tradition und Vorbild befreite Einzelne seine Schneisen schlagen muss. Im verwirrenden Dunkel der Welt muss er seine ganz persönliche Lichtung finden, den individuellen Lebensort und Handlungsraum. Der Autor zeigt sich als Prophet einer dialektischen Lebenskunst: Wo der äußere Rahmen für alle gleich geworden ist, kommt es gerade auf dessen individuelle Füllung an (Radio Kultur, 27. März, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Für Dostojewskis berühmten Studenten Rodion Raskolnikoff ist die eigene Seele zum globalen Dickicht geworden. Kein Ausweg aus den Zwängen des Schuldgefühls, nichts, was die peinigende Furcht vor Strafe lindern könnte. So irrt Raskolnikoff durch die Straßen von Sankt Petersburg, bis er im Fieber zusammenbricht. Der Deutschlandfunk hat eine Hörspielfassung des großen Romans tief aus den Archiven geholt. Oskar Werner spricht die Titelrolle (22. März, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Über das Wesen des Wartens hat Barbara Bogen in ihrem Feature „Die gestohlene Zeit“ nachgedacht? Einerseits ist das Warten nur ein lästiges Alltagsübel. Der moderne Kapitalismus legitimiert sich geradezu durch die Verringerung von Wartezeiten: schneller Zugriff auf die Ware, beschleunigte Fahrt auf allen Wegen. Andererseits gibt es das Glück des Wartens, das man von den Kindern lernen kann (Deutschlandradio, 27. März, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Eben war der Essayist und Literaturkritiker Helmut Böttiger noch als Redakteur beim Tagesspiegel angestellt. Nun wird er als prominenter Zeitgenosse im Radio porträtiert. Ein langes Gespräch in der Reihe „Zwischentöne“. Über eigene und fremde Bücher, über die Biografie und das Leben im Allgemeinen (Deutschlandfunk, 23. 3., 13 Uhr 30).

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