Medikamenten-Skandal : Gericht: Conterganfilm darf ausgestrahlt werden

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer Eilentscheidung den Weg für die Ausstrahlung des umstrittenen TV-Zweiteilers "Eine einzige Tablette" über den Contergan-Skandal frei gemacht. Abschließend ist die Sache aber noch nicht entschieden.

Contergarn
Die Schauspieler Benjamin Sadler als Paul Wegener und Katharina Wackernagel (rechts) in dem Zweiteiler "Eine einzige Tablette". -Foto: ddp

KarlsruheIn einer Eilentscheidung wiesen die Karlsruher Richter die Klagen des Contergan-Herstellers Grünenthal sowie eines Anwalts ab. Die Beschwerdeführer hatten versucht, den zur Sendung am 7. und 8. November in der ARD vorgesehenen Film des Westdeutschen Rundfunks (WDR) gerichtlich stoppen zu lassen. Das Drama thematisiert die Affäre um das Schlafmittel Contergan, nach dessen Einnahme tausende Frauen Ende der 50er Jahre missgebildete Kinder geboren hatten.

Nach den Worten des Karlsruher Gerichts wäre ein Verbot ein "schwerwiegender Eingriff" in die Programmfreiheit des WDR, in dessen Auftrag der an das historische Geschehen angelehnte, aber hinsichtlich der handelnden Personen frei erfundene Film gedreht wurde. Denn der WDR habe den 50. Jahrestag der Markteinführung des Medikaments im Oktober 1957 als Sendetermin gewählt, um eine größere publizistische Wirkung zu erzielen. Die Ausstrahlung zum zeitgeschichtlich wichtigen Jahrestag könne Anstöße zur öffentlichen Meinungsbildung vermitteln - auch bei einem unterhaltend aufgemachten Film.

100 Millionen Mark Entschädigung

Das Hamburger Landgericht hatte die ursprünglich für Herbst 2006 vorgesehene Ausstrahlung des Films zunächst untersagt. Das dortige Oberlandesgericht hob die Verfügungen im April wieder auf. Dagegen zogen die Firma und der Anwalt vors Bundesverfassungsgericht, das nun deren Eilanträge abgelehnt, aber nicht abschließend über die Verfassungsbeschwerden entschieden hat. Die Firma Chemie Grünenthal hatte das Medikament 1961 vom Markt genommen. Ein Strafverfahren gegen Mitarbeiter des Unternehmens wurde 1970 eingestellt, nachdem das Unternehmen 100 Millionen Mark zur Entschädigung der Opfer bereitgestellt hatte.

Aus Sicht des Karlsruher Gerichts ist eine schwerwiegende Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts der Kläger nicht zu befürchten. Nach Einschätzung der Richter knüpft der Film zwar ein reales Geschehen an und macht es damit möglich, den Bezug zu der Aachener Pharmafirma sowie dem klagenden Anwalt herzustellen, der damals zu Gunsten der Contergan-Geschädigten gegen das Unternehmen juristisch vorgegangen war. Allerdings erwecke der Film nicht den Eindruck, nach Art eines Dokumentarspiels das historische Geschehen in sämtlichen Einzelheiten möglichst detailgetreu nachzubilden, zumal im Vor- und Abspann ausdrücklich auf den fiktionalen Charakter der Personen hingewiesen werde. (mit dpa)