Mehdorn, Platzeck, Wowereit, Ramsauer : Was treibt die Macher des BER an?

Hartmut Mehdorn, Matthias Platzeck, Klaus Wowereit und Peter Ramsauer: Von ihnen hängt ab, ob es mit dem BER in Schönefeld doch noch etwas wird. Sie arbeiten zusammen, aber jeder für sich. Was treibt die Macher an? Ein Überblick.

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Es gibt noch viel zu tun.
Es gibt noch viel zu tun.Foto: dpa

Hartmut Mehdorn

Er ist wie ein offenes Buch und gibt doch vielen Rätsel auf: Hartmut Mehdorn, 70 Jahre, Chef-Manager der staatlichen Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes. Er soll dafür sorgen, dass am unvollendeten Pannen-Airport in Schönefeld wenigstens im fünften Anlauf einmal Flugzeuge starten und landen. Kaum einer spricht ihm nötigen Ehrgeiz, Ego und Entscheidungsfreude ab. Doch zunächst einmal tut er das, was man aus seinen Zeiten als Chef der Deutschen Bahn und von Air Berlin kennt: Er provoziert, er polarisiert.

Hartmut Mehdorn.
Hartmut Mehdorn.Foto: dpa

Er löst Erschütterungen aus – etwa mit dem regelmäßigen Plädoyer für einen längeren Betrieb des Flughafens Tegel selbst parallel zum BER, mit der avisierten Stufeneröffnung oder mit publik gewordenen Plänen, den Lärmschutz für die Anwohner zu verschlechtern. Manche halten das für „Ausraster“ eines hemdsärmligen, impulsiven Unternehmers, der sich bei Auftritten eben nicht zügeln kann. Das mag sein, aber es gibt dafür auch eine rationale Erklärung.

Die „Methode Mehdorn“ hat mit der Trümmerwüste zu tun, die er überall vorfand – ob die nicht funktionierende Technik im Terminal, die aus dem Ruder laufenden Kosten, Folgen der Verschiebungen, den von Beginn an vermurksten Schallschutz. „Und es ist genauso kompliziert, einen Flughafen zu eröffnen wie einen zu bauen“, wie er sagt. Einen „Königsweg“ daraus, ohne Nachteile, ohne Probleme, gibt es nicht. Mit seinen Vorstößen versucht Mehdorn, Spielräume für sein „Sprint“-Programm zu erweitern oder erst zu gewinnen. Schwer fällt ihm dabei, mit den Widersprüchen der Politik-Aktionäre umzugehen: etwa damit, dass Berlin, Brandenburg und der Bund es ablehnen, Tegel noch 2018 zu betreiben, aber gleichzeitig beispielsweise Berlins Regierender Klaus Wowereit für die sofort mögliche Sanierung der maroden BER-Nordbahn auch kein Geld ausgeben will. Der nächste „Mehdorn“ kommt bestimmt. Er puzzelt weiter.

Reaktionen und Stellungnahmen zum BER-Schallschutz
BER-Chef Hartmut Mehdorn bezweifelt, dass den Flughafen-Anwohnern durch das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg geholfen ist. "Das Schallschutzprogramm der Flughafengesellschaft bietet ein sehr hohes Schutzniveau", erklärte Mehdorn am Freitag. "Die Forderung des Gerichts ist in weiten Teilen aus lärmphysikalischer Sicht nicht umsetzbar. Es hat zur Folge, dass für viele Anwohner gar keine Schallschutzmaßnahmen realisiert werden können, sondern sie mit Entschädigungen vorlieb nehmen müssen."Alle Bilder anzeigen
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26.04.2013 16:02BER-Chef Hartmut Mehdorn bezweifelt, dass den Flughafen-Anwohnern durch das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg...
Matthias Platzeck.
Matthias Platzeck.Foto: dpa

Matthias Platzeck

Für ihn geht es um alles. „Entweder das Ding fliegt oder ich!“ So sprach es Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) aus, als er Anfang 2013 den BER-Aufsichtsratsvorsitz übernahm. Seitdem hat der 59-Jährige zumindest erste Pflöcke eingeschlagen, mit dem Rausschmiss des Flughafenmanagers Rainer Schwarz – und der Bestellung von Hartmut Mehdorn als Nachfolger. Die Personalie hatte er eingefädelt.

Er hält einen engen Draht zu Mehdorn, dem er die Tegel-Kapriolen nachsieht. Hauptsache, dessen Vorgehen insgesamt ist richtig. Um den Schallschutz droht allerdings eine Belastungsprobe zwischen Chefaufseher und Vorstand. Zur „Methode Platzeck“ beim BER-Fiasko gehört, bei Strukturdefiziten anzusetzen, hinter den Kulissen konträre Interessen der drei Eigner auszubalancieren, was besonders mit Berlin immer schwerer wird. Er setzt auf Kompromisse, „die Seele der Politik“, und auf längere Linien. Trotz der fatalen Symbolwirkung hätte er Mehdorn sogar einen mit 200 000 Euro fürstlich bezahlten Kommunikationsmanager bewilligt: Denn wenn wahrscheinlich noch eine Milliarde Euro nachgeschossen werden muss, von zwei Landesparlamenten und dem Bundestag, dürfte viel zu erklären sein.

Für Platzeck, ein Jahr vor der Landtagswahl nach den Umfragen immer noch mit Abstand beliebtester Politiker der Mark, bleibt der BER-Posten hochriskant. Einerseits lief er seitdem zu neuer Form auf, durchaus typisch für ihn in Krisenzeiten. Er habe, so lästern Genossen, „endlich wieder etwas Richtiges zu tun“. Andererseits gilt Platzeck nicht als der Robusteste, häuften sich zuletzt gesundheitsbedingte Ausfälle, was Erinnerungen an seinen Rücktritt als überlasteter SPD-Bundeschef wachruft. Als Ministerpräsident des BER-SitzLandes steht Platzeck zusätzlich unter extremem Druck in einem Interessenkonflikt, um etwa beim Nachtflugverbot Zugeständnisse für Brandenburg herauszuholen.

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