Der Tagesspiegel : Mehr Arbeit für weniger Lehrer

Bis 2011 sollen an den Schulen 6000 Stellen wegfallen

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Potsdam. Wegen sinkender Schülerzahlen will das Land Brandenburg bis zum Jahr 2011 rund 6000 Lehrerstellen abbauen – ohne Personal zu entlassen. Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben darüber jetzt eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Die GEW trägt das Konzept mit, weil zugleich allen Brandenburger Lehrern spätestens ab 2011 eine Vollzeitstelle und damit ein höheres Einkommen garantiert wird. Bislang haben zwei Drittel der Lehrer nur einen Teilzeitjob, was zusammen mit den geltenden Osttarifen zu einem vergleichsweise geringen Einkommen führt.

Bildungsminister Reiche verspricht sich von der Vereinbarung auch einen Motivationsschub für die Lehrerschaft – und damit auch bildungspolitische Effekte: Brandenburg gehörte zu den bundesweiten Schlusslichtern bei der PISAStudie. Ein besseres Arbeits-Klima an den Schulen erwaretet Reiche auch, weil jährlich dreihundert neue, junge Lehrer eingestellt werden sollen – so viele wie noch nie –, die neue Ideen und Methoden in den Unterricht einbringen dürften.

Da zudem der Schülerrückgang stärker ist als der Lehrer-Abbau, werden sich auch die Klassenstärken verringern. Kommen gegenwärtig 15,75 Schüler auf einen Lehrer – der Bundesdurchschnitt liegt bei 18 –, werden es 2010 nur noch 14,79 Schüler je Lehrer sein.

Der Personalabbau soll auf Freiwilligkeit beruhen: Kurzfristig sollen rund 1000 Lehrer mit Abfindungen von bis zu 50000 Euro zu vorzeitiger Pensionierung oder zum Ausscheiden bewegt werden. Angeboten werden sollen auch Altersteilzeit mit Ausgleich der Rentenminderung, ein Wechsel nach Berlin oder in andere Bundesländer oder eine zeitweise Beurlaubung. Für den Stellenabbau stehen 132 Millionen Euro bereit.

Derzeit gibt es in Brandenburg 22500 Planstellen für 24600 Lehrer. Nur 8000 von ihnen haben Vollzeitverträge. Das ist eine Folge des Teilzeit-Modells, das von der Ampel-Koalition nach 1990 eingeführt wurde, um Entlassungen zu vermeiden. thm

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