Der Tagesspiegel : „Mehr Kinder durch flexiblen Arbeitsmarkt“

Studie empfiehlt Senkung des Kündigungsschutzes

Berlin - Eine Aufweichung des geltenden Kündigungsschutzes könnte die Zahl der Geburten in Deutschland erhöhen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Berliner Think-Tanks „Berlinpolis“, die dem Tagesspiegel vorliegt. Die Autoren vergleichen darin die Beziehung von Arbeitsmarktpolitik und Geburtenrate in Dänemark, Deutschland, Großbritannien und Österreich. Sie kommen zu dem Schluss, eine Flexibilisierung des deutschen Arbeitsrechts wirke sich entgegen den Befürchtungen von SPD, Gewerkschaften und Linkspartei nicht negativ auf die Geburtenrate aus. Vielmehr ermögliche sie eine „neue Dynamik des Arbeitsmarktes" und fördere bei jungen Menschen die Entscheidung für ein Kind. Dies gelte insbesondere für hochqualifizierte Frauen in Beschäftigung, die dann trotz Babypause weit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.

„Der starre und abgeschottete deutsche Arbeitsmarkt wirkt auf junge Menschen abschreckend, die Kinder und Beruf vereinbaren wollen“, sagte Think- Tank-Leiter Daniel Dettling dem Tagesspiegel. Zudem würden Steuersystem und Ehegattensplitting in Deutschland junge Mütter bestrafen, die wieder in den Beruf zurückkehren wollten.

Nach Ansicht der Autoren profitieren vom Beschäftigungsschutz vor allem diejenigen, die dem Kernarbeitsmarkt angehören, in der Hauptsache Männer im Aller von 25 bis 54 Jahren. Der Lohndruck, den diese Gruppe aufgrund ihrer Stellung ausübe, schaffe Nachteile für diejenigen, die in Zeitverträgen arbeiteten oder ohne Beschäftigung seien. „Gerade junge Berufsanfänger und Wiedereinsteiger wie Frauen nach der Erziehungspause tragen dann die Kosten dieses Privilegs“, heißt es in der Studie. Sie seien häufiger und stärker von verminderten Einstellungschancen betroffen. Die Daten aus den vier Ländern legten den Schluss nahe, dass ein strikter Kündigungsschutz die Beschäftigungsquote sowohl von jungen Menschen als auch von Frauen in einem Alter senke, in dem sie über Kinderwünsche entscheiden müssten. Als Modell empfehlen die Autoren eine Kombination von großzügiger staatlicher Unterstützung von Arbeitslosen und Familien wie in Skandinavien mit einem stärker deregulierten Arbeitsmarkt als in Deutschland. hmt