Der Tagesspiegel : Mehr Kinder und mehr Einwanderer aus Berlin

Das neue Statistik-Jahrbuch bescheinigt Brandenburg dennoch weiteren Bevölkerungsrückgang und Vergreisung in den Randregionen

Thorsten Metzner

Potsdam - In Brandenburg ist der Trend zur Verödung und Vergreisung der berlinfernen Regionen ungebrochen. Auch die Bevölkerungszahl insgesamt ist weiter rückläufig, so weist es das gestern vorgestellte Statistische Jahrbuch für 2005 aus. Danach leben in Brandenburg derzeit 2,56 Millionen Menschen, 6817 weniger als 2004. Der seit 2001 jährliche Bevölkerungsrückgang setzt sich fort, sagte Christiane Siegmund, Vize-Geschäftsführerin des Landesbetriebes für Datenverarbeitung und Statistik.

Allerdings gibt es trotz des Einwohnerrückgangs inzwischen durchaus positive Tendenzen: So wurden im vorigen Jahr in Brandenburg über 18 000 Kinder geboren – immerhin 178 mehr als im Jahr zuvor. Das absolute Tief des „Wendeknicks“ aus dem Jahr 1993, als nur 12 238 Kinder geboren wurden, ist lange überwunden. Die Zahlen gehen seitdem langsam aber stetig nach oben. Dass Brandenburgs Bevölkerung im Vergleich zu anderen ostdeutschen Ländern nur langsam abnimmt, liegt jedoch vor allem am Zuzug aus Berlin ins Umland. So ließen sich 2004 immerhin rund 68 000 Menschen in der Mark nieder, etwa jeder Zweite davon kam aus Berlin. Auffällig ist auch, dass es immerhin 15 000 Menschen aus den alten Bundesländern nach Brandenburg zog.

Dass Brandenburgs Bevölkerung trotzdem sinkt, hat zwei Gründe: Es sterben immer noch mehr Menschen (2004: 26 000) als geboren werden. Und es ziehen mehr Menschen weg als kommen. So verließen im vorigen Jahr 67 000 Brandenburger, und zwar zumeist junge Leute, das Land. Und zwar viele in Richtung Berlin (22 000), worunter sich sicher mancher ins Umland Gezogene befindet, der wieder in die Großstadt zurück will. Ansonsten zieht es junge Brandenburger weiter vor allem in die Länder mit Job-Aussichten: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

In der Folge wächst die Kluft innerhalb Brandenburgs weiter: So wuchs die Bevölkerung im Berliner Umland um weitere 12 000 auf 992 200 Menschen, so dass inzwischen 39 Prozent der Brandenburger dort wohnen. Zuzügler zieht es meist nach Potsdam-Mittelmark, Oberhavel und Barnim. Man sieht dies auch an ausgewählten Städten, die besonders rasant wachsen: So leben in Falkensee heute 37 000 Menschen. 1981 waren es noch 24 000. Dagegen litten im vergangenen Jahr die berlinfernen Regionen, allen voran die Kreise Oberspreewald-Lausitz und Prignitz, aber auch die Uckermark, Spree-Neiße, Ostprignitz-Ruppin, Elbe-Elster und Oder-Spree besonders unter Bevölkerungsverlusten.

Zwar liegt die Bevölkerungsdichte im Landesdurchschnitt immer noch bei 87 Einwohner je Quadratkilometer, womit sich Brandenburg laut Siegmund „in guter Gesellschaft“ mit Zypern und Griechenland befindet. In der Uckermark sieht es mit nur 43, in der Prignitz mit 42 Einwohnern je Quadratkilometer schon anders aus. Dort ist die Bevölkerungsdichte so gering wie im Jemen oder im Iran.

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