Der Tagesspiegel : Mehrjährige Haftstrafen für rechtsextreme Schläger

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Potsdam - Der Prozess gegen die sechs Schläger endete, wie er im Dezember begonnen hatte: Ein Neonazi-Mob pöbelte Journalisten an und versuchte, sie am Eintritt in den Gerichtssaal zu hindern. Die 1. Strafkammer ließ sich von der bedrohlichen Kulisse nicht beeindrucken. Fünf der sechs Angeklagten, die im Juli 2005 einen jungen Linken und seinen Freund in Potsdam misshandelt hatten, wurden gestern zu harten Strafen verurteilt.

Die Kammer schickte den Rechtsextremisten Marcus Sch. für fünf Jahre ins Gefängnis. Seine Kumpane Daniel K. und Oliver K. erhielten jeweils viereinhalb Jahre. Oliver O. muss vier Jahre hinter Gitter, Michael G. drei Jahre und neun Monate. Nur der sechste Angeklagte kam glimpflich davon: Marcell Sch. wurde zu zwei Jahren verurteilt, die das Gericht zur Bewährung aussetzte. Sch. hatte in dem Prozess schon früh ein Geständnis abgelegt und sich von der rechten Szene losgesagt.

Die Täter hatten einen jungen Linken und dessen Freund zufällig von der Straßenbahn aus in Potsdam gesehen. Oliver K. zog die Notbremse, dann stürmte der Mob hinaus. Die beiden Opfer wurden zu Boden geprügelt, der Freund des Linken erlitt durch Schläge mit Flaschen mehrere Schnittwunden im Gesicht. Die Kammer sah jedoch keinen Tötungsvorsatz und verurteilte die Schläger „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung – die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten versuchten Mord vorgeworfen. In einem zweiten Prozess gegen fünf jüngere Mittäter verhängte das Gericht vor einer Woche Strafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und mehr als drei Jahren Haft. Ein Angeklagter wurde verwarnt. fan

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