Der Tagesspiegel : „Meine wilden Jahre sind vorbei“

Die E-Mail-Affäre kostete Sven Petke das Amt des CDU-Generalsekretärs Jetzt bekräftigt er seine Bewerbung um den Brandenburger Landesvorsitz

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Herr Petke, empfinden Sie es als ungerecht, dass Sie wegen der E-Mail-Affäre Ihren Hut als Generalsekretär der CDU nehmen mussten?

Ja! Aber es spornt mich an.

Können Sie keine Schwäche zeigen?

Klar kann ich das.

Haben Sie in der E-Mail-Affäre Fehler gemacht?

Mindestens den, dass ich kein Datenschutzexperte bin. Aber im Ernst: Ich würde heute natürlich manches anders machen, die Dinge stärker hinterfragen.

Man hält Sie für kaltschnäuzig, weil Sie nicht einmal 24 Stunden nach dem Rücktritt Ihren Anspruch auf das Amt des CDU-Vorsitzenden angemeldet haben?

Ich behalte gerade in kritischen Situationen einen kühlen Kopf. Die Entscheidung war wohl überlegt und mit politischen Freunden besprochen.

Dennoch, die E-Mail-Affäre ist nicht abgeschlossen, die Staatsanwaltschaft prüft, ob gegen Sie wegen Verdachts des Ausspähens von Daten ermittelt wird. Halten Sie es für guten Stil, sich dennoch für ein so hohes Amt zu bewerben?

Ich habe mich korrekt verhalten. Was den Termin meiner Kandidatur betrifft: Ich habe eine klare Position. Wenn man etwas will, wenn man eine Entscheidung getroffen hat, dann soll man nicht zögern, wann man sie verkündet. Die Kandidatur bekannt zu geben, ist fair gegenüber den Delegierten, die darüber zu entscheiden haben. Sie haben ein Recht auf eine frühestmögliche, klare Ansage. Ich werde jeden Tag nutzen, um bei den Mitgliedern für mein Konzept zu werben.

Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, die Partei in zwei Lager gespalten zu haben?

Vor Ort habe ich in den letzten Monaten viel Zustimmung erfahren. Ich setze auf die Geschlossenheit der Partei. Und auf ein interessantes Entscheidungsverfahren. Ich schlage vor, dass sich die Kandidaten für den Landesvorsitz in Regionalkonferenzen den Mitgliedern vorstellen.

Schmerzt es Sie, wenn Jörg Schönbohm Ihnen Egoismus vorwirft?

Das berührt mich sehr.

Viele sagen, Sie denken zuerst an sich selbst?

Die CDU bestimmt seit 11 Jahren mein berufliches Leben. Es gab kaum einen Tag, an dem ich nicht für die Partei gearbeitet habe.

Sie sind ein Machtmensch?

Ein Politiker muss mit Macht umgehen können – verantwortungsvoll.

Wäre der ausgleichende Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns angesichts der Gräben in der CDU nicht geeigneter?

Das entscheiden die Delegierten. Mit Ausgleich allein werden wir die 19 Prozent der letzten Landtagswahl nicht verbessern können.

Wie sehen Sie überhaupt Ihre Chancen, als Parteichef gewählt zu werden?

Gut.

Manche befürchten, dass von der CDU nur ein Scherbenhaufen übrig bleibt, wenn Sie die Kampfabstimmung gewinnen.

Ich stehe für eine selbstbewusste Partei. Jeder muss sich im Klaren sein: Es gibt nach diesem Wettbewerb auch eine Zeit danach, egal wie das Rennen ausgeht. Ich glaube, dass Fouls sich nie auszahlen.

Aber Sie selbst waren in der Vergangenheit im Austeilen nie zimperlich!

Ich weiß eben, wovon ich spreche. Ich habe meine Lektionen gelernt.

Trotzdem bezweifeln viele, dass jemand, der so umstritten ist wie Sie, der sich vor allem als Polarisierer profiliert hat, die Partei wieder zusammenführen kann?

Wer mich genau beobachtet hat, konnte feststellen: Ich habe in den letzten Jahren einen Wandel vollzogen. Meine wilden Jahre sind vorbei.

Aber selbst Parteifreunde sorgen sich, dass die durch Ihre Kandidatur heraufbeschworene Zerreißprobe die Regierungsfähigkeit der Brandenburger CDU in Frage stellen könnte?

Ich stehe zu unserer Koalition. Sie ist gut für das Land und wichtig für die Partei. Ich habe den Vertrag mit ausgehandelt. Und ich habe in der SPD mehr Vertraute als manche denken. Ich bin der letzte, der diese Koalition in Frage stellen würde.

Trotzdem sorgen sich selbst Parteifreunde von Ihnen, dass bei Ihrer Wahl vorgezogene Neuwahlen oder Rot-Rot kommen könnten?

Das wünscht sich vielleicht die Linkspartei-PDS, aber das wird mit Sicherheit nicht passieren.

Sie haben selbst bei der letzten Landtagswahl nur 11 Prozent der Stimmen in Ihrem Wahlkreis bekommen, wollen die CDU jetzt aber aus dem 20-Prozent-Loch führen. Überschätzen Sie sich da nicht?

Erfolg ist keine Einzelleistung, sondern eine Mannschaftsleistung, gerade in der Politik. Im Übrigen: Mein Potsdamer Plattenbau-Wahlkreis ist der härteste im ganzen Land. Die CDU hatte dort noch nie gute Ergebnisse.

Haben Sie eine Erklärung, warum Ihr Image so schlecht ist, warum Sie so umstritten sind?

Das treibt mich um, ich arbeite daran.

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