Meinung : … Belgien

Ruth Reichstein

Eigentlich sind es schöne Gläser – ein bisschen rund und bauchig, gleichzeitig wirken sie irgendwie auch elegant. Richtig ansehnliche Biergläser eben. Aber dummerweise passen genau 2,5 Zentiliter mehr hinein in das Gefäß als in die Vorgängergläser – und das könnte dem weltgrößten Brauereikonzern InBev jetzt zum Verhängnis werden. Aber fangen wir von vorne an: Anfang dieses Jahres bringt InBev in seinem Mutterland Belgien neue Gläser auf den Markt – für sein Markenbier Jupiler, von dem in Belgien jedes Jahr Millionen von Litern getrunken werden. Als Begründung führt der Konzern an, dass die Marke Jupiler im vergangenen Jahr ein neues Logo bekommen hat und dieses neue Logo ist eben auch auf den neuen Gläsern. Neues Logo – neue Gläser, das klingt irgendwie logisch. Wie es sich gehört, stattet InBev seine Abnehmer – also Kneipen und Cafés in Brüssel und dem übrigen Belgien – mit diesen neuen Gläsern aus. Insgesamt verteilt der Brauereikonzern, der 56 Prozent des belgischen Biermarkts kontrolliert, rund drei Millionen solcher Gläser. Und genau da wurde die ganze schöne Rundumerneuerung zum Problem.

Denn die Kneipen- und Restaurantbesitzer schenken ihr Bier nicht einfach ohne Nachzudenken aus. Sie haben nachgemessen und mussten feststellen: In die Gläser passt mehr Bier als vorher. Und das bedeutet wiederum für den Mann am Zapfhahn, dass er aus einem 50-Literfass nur noch 175 Gläser herausbekommt – genau 17 weniger als vorher. Der Gastronomie-Sektor vermutet deshalb eine hinterhältige Aktion von InBev, um den Bierverkauf zu steigern. Also hat der zuständige Berufsverband InBev nun verklagt. Der Vorwurf: Missbrauch der dominanten Marktposition. Der Brauereikonzern kann die Aufregung um die neuen Gläser gar nicht verstehen und verteidigt sich so gut wie er kann: Für ihn sind seine Gläser nicht nur schön anzusehen, sondern sie entsprechen auch voll und ganz der üblichen Norm: Genau 25 Zentiliter passen in ein Glas. Das Limit sei sogar mit einem entsprechenden Strich auf dem Glas gekennzeichnet. Und die zusätzlichen Zentimeter über diesem Strich seien keineswegs für mehr Bier gedacht, sondern für drei Zentimeter Schaum, und der sei ja – laut InBev – notwendig für ein gutes Bier.

Wie lange es dauern wird, bis die zuständige belgische Behörde ihr Urteil verkündet, ist unklar. Aber einige Kneipen-Besitzer haben schon jetzt ihre ganz eigene Lehre aus dem Gläserstreit gezogen: Sie haben einfach einige alte Gläser behalten und servieren ihr Bier genauso wie bisher.

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