Meinung : … Deutschland

Stephan haselberger

über das, was der Kanzler in Neuhardenberg nicht aus dem Hut gezaubert hat Das sieht doch so aus, das ist doch … Ja wirklich: Da ist das Kaninchen! Es hoppelt über den Rasen, schnell wie der Blitz oder der Niedergang der SPD in den Umfragen. Es saust vorbei an der Platane, unter der sie vor knapp einem Jahr so schön zusammengesessen haben. Damals schien noch die pralle Sonne auf den Schlosspark, den Kanzler und die Koalition. Es war eine andere Zeit. Gerhard Schröder stand noch nicht mit dem Rücken zur Wand, seine Partei lag noch nicht völlig am Boden, und die Milliarden für vorgezogene Steuersenkung und kommunale Konjunkturprogramme waren noch nicht ausgegeben. Und kein Regierungssprecher wäre in diesem Sommer auf den Gedanken gekommen, die Existenz von Kaninchen in Neuhardenberg zu bestreiten.

Unter der Platane sitzt an diesem Samstagmorgen kein Mensch. Das würde auch schlecht passen. Die politische Botschaft zur Halbzeit der zweiten Wahlperiode soll nichts mehr zu tun haben mit den hohen Tönen von einst, mit den großen Gesten und Versprechen. Neustart? Geist von Neuhardenberg? Die zweite Klausur sei eine konzentrierte, nüchterne Arbeitssitzung, sagen die Sprecher, sagen die Minister, sagt der Kanzler. Nicht mal ein Mittagessen habe sich das Kabinett gegönnt. Man hat keine Zeit für Vergnügungen, man hat zu tun, man muss sich kümmern. Die Regierung Schröder arbeitet an einem neuen Bild von sich selbst, und diesmal ist der leere Park ihre Kulisse. Ernsthaftigkeit, Beständigkeit, Sorgfalt, Verlässlichkeit und Teamgeist sollen das Tun der Regierungsmannschaft in Zukunft kennzeichnen – Begriffe, die man in der Vergangenheit eher nicht mit Rot-Grün in Verbindung gebracht hat. Die reibungslose Umsetzung der Reformen, das hat der Kanzler seinen Ministern am Abend eingebläut, kann nur gemeinsam gelingen. Die reibungslose Umsetzung der Reformen ist Schröders letzte Chance, seine Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Nach all den Haken, die dieser Kanzler geschlagen hat, bleibt ihm zur Mitte seiner zweiten Amtszeit nur noch der gerade Weg. Er muss die Agenda 2010 durchsetzen, und koste es ihn das Amt. Er wirkt noch nicht einmal sonderlich unglücklich darüber wie er da zum Schluss der Klausur im Kräutergarten des Schlosses steht und Hegel zitiert: „Zuversicht resultiert aus der Einsicht in die Notwendigkeit, die ja bekanntlich Freiheit ist.“ Für einen Augenblick kommt sogar die Sonne heraus. Das Kaninchen lässt sich nicht mehr blicken. Vielleicht war es ja auch ein Feldhase.

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